Teorema (Geometrie der Liebe), 1968, Pier Paolo Pasolini

Teorema (Geometrie der Liebe)

Regie, Drehbuch: Pier Paolo Pasolini nach seinem Roman; Kamera: Giuseppe Ruzzolini; Schnitt: Nino Baragli; Musik: Ennio Morricone; Darsteller*innen: Terence Stamp, Silvana Mangano, Massimo Girotti, Ninetto Davoli. IT, 1968, 35mm, Farbe und sw, 98 min. Italienisch mit dt. UT*
 
DAVOR (Nur am 26.1.): Appunti per un film sull'India (Notizen zu einem Film über Indien) Ein Film von Pier Paolo Pasolini; Kamera: Federico Zanni, Roberto Nappa. IT, 1968, 16mm, sw, 34 min. Italienisch mit dt. UT
 
Teorema ist trotz seiner klaren Struktur einer der rätselhaftesten Filme Pasolinis. Stumme Totalen auf fünf Menschen, die in der Stadtszenerie Mailands und im Dekor einer großbürgerlichen Wohnung seltsam verloren erscheinen, wechseln mit gedichtartigen Monologen und Bildern einer Wüstenlandschaft. Das Auftauchen eines Fremden, Sendboten der anderen Welt, halb sanfter Dämon, halb libidinöser Engel, lässt das anfängliche Schwarzweiß in Farbe umschlagen und ruft radikale Veränderungen bei allen Charakteren hervor. Als gälte es, ein Experiment durchzuführen, gliedert Pasolini Teorema streng in drei Teile: Vorbereitung, Versuch, Beobachtung der Reaktion. Aber der Versuch ist eine poetische Fiktion, die Fiktion der Einbruch des Göttlichen und dieses eine erotische Erleuchtung, die die Protagonist*innen in Verwirrung oder nackte Verzweiflung versetzt. "Die Menschen bleiben auf sich selbst zurückgeworfen", sagt Pasolini. "Die Bourgeoisie hat den Sinn fürs Sakrale verloren." (H.T.)
 
Bei Appunti per un film sull'India konfrontiert Pier Paolo Pasolini auf einer Reise durch den Subkontinent einen merklich zur unteren Hälfte hin verschobenen Querschnitt der Gesellschaft mit einem Mythos: dem vom Tiger, der sich einem Verhungernden zum Fraß hingab. Betörend ist hier, wieder einmal, Pasolinis ungeheurer Charme, wenn er sich den Menschen nähert. (O.M.)

* Courtesy Cineteca Nazionale