Ulrike Ottinger vor ihrem Bild "Allen Ginsberg", Paris 1966 © Ulrike Ottinger

Paris Calligrammes

Regie, Drehbuch, Kamera: Ulrike Ottinger; Schnitt: Anette Fleming. DE/FR, 2020, DCP, Farbe & sw, 129 min. Deutsch/Französisch/Englisch mit engl. UT
 
Der Film beginnt 1962 mit einem Wagnis und einem Ziel. Die 20-jährige Ulrike Ottinger bricht mit ihrer mit Eulen bemalten Isetta vom verschlafenen Konstanz auf nach Paris, mit dem festen Ziel, eine große Künstlerin zu werden. Der Plan ist rückblickend aufgegangen, aber die Isetta bleibt unterwegs liegen. Also geht die autoethnografische Reise per Anhalter mit ein paar Herren in Hut und Mantel, wie im Film noir, weiter. In Form eines Figurengedichts in zehn Kapiteln wirft die vor Coolness, Humor, und Archivmaterial nur so rauschende Dokumentation den Blick einer älteren Künstlerin auf ihr jüngeres Selbst, das auf die Avantgarde trifft. Spürbar gemacht wird der Einfluss prägender Begegnungen mit Wegbegleiter*innen, künstlerischen Strömungen, den Vibrationen einer Metropole zwischen Jazz und Pop, in der die Wunden des Kolonialismus aufreißen und gesellschaftliche Unruhen (ausgelöst durch Algerienkrieg und Studentenproteste) den Alltag bestimmen. Ein Dokument des Subkulturellen als filmische Übersetzung eines Erweckungserlebnisses. (K.M.)
 
In Anwesenheit von Ulrike Ottinger am 27. Mai