The Age of Innocence, 1993, Martin Scorsese (Foto: Deutsche Kinemathek)

The Age of Innocence

Martin Scorsese. US, 1993, 35mm, Farbe, 139 min. Englisch
 
Im Zeitraffer entfaltende Rosen. Rotgoldbraunbeige Dekors mit Tupfen von Lindengrün. Gleiten in Girlanden und Kreisen, eine Endlos-Ondulation. Überblendungen in Rot. Überblendungen in Gelb und gelbe Rosen. Edith Whartons Roman einer hoffnungslos ungelebten Liebe, dargeboten von Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer, die in New Yorks Upperclass von 1870 am Altar der Konvention geopfert wird. Da jegliches sich im Geheimen oder in der Sprache äußerster Andeutung abspielen muss, wird bereits die Berührung zweier Hände zum unerhörten Ereignis. Nichts vermag in solcher Intensität des Minimalen mit jenem glühenden Scheit zu wetteifern, das im Verlauf eines Gesprächs lautlos im Kamin in sich zusammenfällt. Schon eine Sekunde später erweist sich Scorseses zärtliche, verdichtete Filmsprache als unüberbietbar distanziert, kühl, sezierend. Kein Filmemacher der Kinoindustrie, der suggestiver und verstörender Geschichten von der Welt zu erzählen wüsste als Martin Scorsese. (H.T.)