bunt: St. Gilgen, Kesselbergrennen, Mittenwald, Sommer 32, 1932, Julius Edgar Boehm, May Fürst (Kadervergrößerung/Österreichisches Filmmuseum)

Filmprogramm: Die unbekannte Sammlung

Im Herbst 1991 gelangt ein Konvolut von 16 anonymen Amateurfilmen aus den ausgehenden 1920er und frühen 1930er Jahren im 16mm-Format in die Sammlung des Filmmuseums. Ihre Herkunft ist ungeklärt, der Überbringer nicht mehr kontaktierbar. Somit werden die Filme selbst zur wichtigsten Quelle. Die Nummerntafel eines Autos und das Türschild einer Wohnung markieren den Ausgangspunkt einer Recherche, an deren vorläufigem Ende zwei Namen mit dem Konvolut in Verbindung gebracht werden können: Julius Edgar Boehm, jüdischer Rechtsanwalt in Berlin, dessen Lebensweg sich im Detail rekonstruieren lässt, sowie eine Frau, May Fürst, die nur fragmentarisch fassbar ist. Familie Boehm überlebt den Holocaust und kann fliehen. Zurück bleiben die Filme, die das Leben vor der Flucht dokumentieren: Rauchen vor dem Koffergrammophon mit Tante Marie Boehm in Neubabelsberg, Reisen durch Europa im Tourenwagen der Marke Gräf & Stift, die französische Bulldogge auf der Rückbank, Tanzen auf einer Waldlichtung. 2026 konnten Nachkommen der Familie Boehm in England und Kanada ausfindig gemacht werden. Sie werden bei der Vorführung anwesend sein. (Stefanie Zingl/Florian Haag)
 
In Anwesenheit von Philip Reuben und Nancy Beaumont