
Overt Listening
Tiffany Sia, US/AT/DE 2026. DCP, Farbe, 85 min. Englisch/Mandarin/Taiwanisches HokkienKinmen ist eine Inselgruppe vor Taiwan, wenige Kilometer von der chinesischen Küste entfernt. Overt Listening (2026), Tiffany Sias erster Langfilm, ist ein Essay, der durch Kinmens unberührte Küsten, Bunkerattraktionen, Militärstollen und Kreisverkehre mit Statuen von Chiang Kai-shek und Sun Yat-sen führt – Stätten, die von Taiwans Nationalparkbehörde erhalten werden und die Kinmens Geschichte des Kalten Kriegs zum Spektakel und Gedenkort erstarren lassen. Statt gesprochener Sprache nutzt Tiffany Sia, in Anlehnung an den Stummfilm, Zwischentitel als Zwischenstimme: historische Aufzeichnung, unterdrücktes Zeugnis und das Verschwiegene der Landschaft zugleich. Während die Jahre von 1989 bis 1991 gemeinhin als Phase der Entspannung des Kalten Kriegs gelten, erkennt der Film ein andauerndes, schwer fassbares Paradigma. Er stützt sich auf akustische Erscheinungsformen – Stille, Signal, Geräusch, Gesang –, wobei militärische Aktivität in der Ferne hörbar, aber unsichtbar bleibt, und Stille unfriedlich ist. (C.B.)
Tiffany Sia im Gespräch mit Carina Bukuts