Monument Film
Was gehört zur Filmgeschichte – und wer entscheidet das? Kanonbildung heißt ja im Foucault'schen Sinne immer auch Monumentalisierung: zu entscheiden, was als erhaltenswert gilt und was der Vergessenheit anheim fällt. Diese Frage stellt sich unser Programm zum Ende der Saison 2025/26 auf mehreren Ebenen zugleich.
Im Mittelpunkt steht eine Trias amerikanischer Independent-Filmschaffender, deren Karrieren in den 1960er Jahren in New York starteten: Shirley Clarke, Stanley Kubrick, Michael Roemer. Gleiche Generation, gleiche Stadt, verwandte Impulse – und doch völlig unterschiedliche Laufbahnen und Nachwirkungen. Kubricks Werk gilt als Weltkulturerbe. Clarkes unerschrockene Filme lebten lange im Halbschatten zwischen Avantgarde und Mainstream. Roemers Arbeit verschwand beinahe gänzlich – und ist nun erstmals im Filmmuseum zu sehen. Diese Gegenüberstellung ist kein akademisches Experiment, sondern ein Argument: Filmgeschichte und ihre Monumente müssen immer wieder neu befragt, justiert, erweitert werden.
Das gilt auch für unsere anderen Programme, die die Filmgeschichte von den Rändern aus mit großer künstlerischer Freiheit und Unabhängigkeit befragen, sowohl ihre ästhetischen Aspekte als auch die politischen und gesellschaftlichen Implikationen.
Das Persönliche ist in der Kunst ebenfalls immanent. Emily Artmann, Editorin und Lyrikerin, verstarb im Jänner dieses Jahres. Mit der wackelatlas hinterließ sie eine gemeinsam mit der ebenfalls viel zu früh verstorbenen Katharina Copony hergestellte dokumentarische Regiearbeit: einen leisen, präzisen Film über Sprache und Schöpfung. Ihrem Andenken widmen wir einen Abend.
Und apropos Monumente: Peter Kubelka hat seinen Zyklus Was ist Film um ein 64. Programm erweitert – Beweis, dass auch das vermeintlich Definitive nie wirklich abgeschlossen ist. Dem monumentalen Werk von VALIE EXPORT widmen wir in unserer Filmpionierinnen-Reihe einen Abend mit einem ausführlichen Werkstattgespräch.
Das Team und ich wünschen Ihnen schöne und anregende Kinoabende im Filmmuseum!
Michael Loebenstein
Im Andenken an Alexander Kluge (1932–2026)
Vielen Dank an unsere Programmpartner*innen!
Tara Najd Ahmadi (T.A.) ist experimentelle Filmemacherin, Kuratorin und Autorin.
Max Bergman (M.B.) ist Filmwissenschaftler und Kurator, seit 2025 künstlerischer Leiter von VIENNA SHORTS.
Brigitta Burger-Utzer (B.B.U.) Brigitta Burger-Utzer ist Mitbegründerin und bis 2023 Geschäftsführerin von sixpackfilm; Kuratorin und Filmpublizistin.
Dennis Doros (D.D.) ist Filmarchivar und Verleiher, Co-Gründer von Milestone Films und Missing Movies (gemeinsam mit Amy Heller).
Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler leiten seit 2021 das Crossing Europe Filmfestival Linz.
Kristina Henschel ist organisatorische Leiterin der Duisburger Filmwoche.
Patrick Holzapfel (P.H.) ist Autor, Filmemacher und freier Kurator.
Friederike Horstmann (F.H.) schreibt zu Kunst und Kino und ist Kuratorin, u.a. für die Duisburger Filmwoche.
Dominik Kamalzadeh (D.K.) ist Co-Intendant der Diagonale, Kurator und Filmpublizist.
Anna Katharina Laggner (A.K.L.) ist Autorin, Filmkritikerin, Künstlerin, Moderatorin und Radiomacherin.
Jonida Laçi (J.L.) ist Künstlerin und arbeitet im Team von sixpackfilm.
Olaf Möller (O.M.) ist Filmwissenschaftler, Kritiker und Kurator.
Vrääth Öhner (V.Ö.) ist Film-, Medien- und Kulturwissenschaftler.
Jacob Perlin (J.P.) ist Kurator, Verleiher, Produzent und Kreativdirektor von Cinema Conservancy.
Julia Pühringer ist Journalistin mit Schwerpunkt Kino und Kultur; arbeitet zu Geschlechterverhältnissen im Film und in der Filmgeschichte.
Jed Rapfogel (J.R.) ist Kurator für Anthology Film Archives in New York sowie Filmpublizist.
Alexander Scholz ist künstlerischer Leiter der Duisburger Filmwoche.
Dietmar Schwärzler (D.S.) ist Geschäftsführer von sixpackfilm, Film- und Medienvermittler sowie Kurator.
Stan Shields (S.S.) ist Kurator beim Seattle International Film Festival.
Harry Tomicek (H.T.) war langjähriger Autor von Filmtexten für das Filmmuseum und Filmpublizist.
Gerald Weber ist Kurator und stellvertretender Leiter von sixpackfilm.
Georg Weckwerth ist Künstler und Kurator sowie Gründer und künstlerischer Leiter von Tonspur Kunstverein.
Sabina Zeithammer (S.Z.) ist Filmkritikerin, Autorin, Redakteurin und Lektorin.
Österreichisches Filmmuseum: Christoph Huber (C.H.), Michael Loebenstein, Jurij Meden (J.M.), Katharina Müller (K.M.), Andrea Pollach (A.P.), Elisabeth Streit (E.S.), Tom Waibel (T.W.)
Im Mittelpunkt steht eine Trias amerikanischer Independent-Filmschaffender, deren Karrieren in den 1960er Jahren in New York starteten: Shirley Clarke, Stanley Kubrick, Michael Roemer. Gleiche Generation, gleiche Stadt, verwandte Impulse – und doch völlig unterschiedliche Laufbahnen und Nachwirkungen. Kubricks Werk gilt als Weltkulturerbe. Clarkes unerschrockene Filme lebten lange im Halbschatten zwischen Avantgarde und Mainstream. Roemers Arbeit verschwand beinahe gänzlich – und ist nun erstmals im Filmmuseum zu sehen. Diese Gegenüberstellung ist kein akademisches Experiment, sondern ein Argument: Filmgeschichte und ihre Monumente müssen immer wieder neu befragt, justiert, erweitert werden.
Das gilt auch für unsere anderen Programme, die die Filmgeschichte von den Rändern aus mit großer künstlerischer Freiheit und Unabhängigkeit befragen, sowohl ihre ästhetischen Aspekte als auch die politischen und gesellschaftlichen Implikationen.
Das Persönliche ist in der Kunst ebenfalls immanent. Emily Artmann, Editorin und Lyrikerin, verstarb im Jänner dieses Jahres. Mit der wackelatlas hinterließ sie eine gemeinsam mit der ebenfalls viel zu früh verstorbenen Katharina Copony hergestellte dokumentarische Regiearbeit: einen leisen, präzisen Film über Sprache und Schöpfung. Ihrem Andenken widmen wir einen Abend.
Und apropos Monumente: Peter Kubelka hat seinen Zyklus Was ist Film um ein 64. Programm erweitert – Beweis, dass auch das vermeintlich Definitive nie wirklich abgeschlossen ist. Dem monumentalen Werk von VALIE EXPORT widmen wir in unserer Filmpionierinnen-Reihe einen Abend mit einem ausführlichen Werkstattgespräch.
Das Team und ich wünschen Ihnen schöne und anregende Kinoabende im Filmmuseum!
Michael Loebenstein
Im Andenken an Alexander Kluge (1932–2026)
Dank an
Andrew Adair, Jacob Perlin (The Film Desk, Cinema Conservancy); Peter Bagrov, Alyssa Hickey, Beth Rennie (George Eastman Museum); Dennis Doros, Amy Heller (Milestone Film and Video); George Schmalz (Kino Lorber); Christine Turner; DJ Spooky (Paul D. Miller); Georg Weckwerth (Tonspur); Sabine Gebetsroither, Katharina Riedler (Crossing Europe); Aljaž Arih (SKICA); Monika Sommer (Haus der Geschichte Österreich); Lâl Ozalp (Chantal Akerman Foundation); Sam Van Lysebeth (Cinémathèque Royale de Belgique); Garineh Nazarian (Venera Films); Wolfgang Widerhofer; Dominik Kamalzadeh, Claudia Slanar (Diagonale); Herbert Hayduck (Multimediales Archiv ORF); Viktoria Schmid; Dietmar Schwärzler, Jonida Laçi, Gerald Weber (sixpackfilm); Mariona Bruzzo Llaberia, Rosa Saz Alpuente (Filmoteca de Catalunya) ; Max Bergmann (Vienna Shorts); Rebecca Cleman, Karl McCool (Electronic Arts Intermix); Alexander Scholz, Kristina Henschel (Duisburger Filmwoche); VALIE EXPORT; Sigrid Guggenberger (Atelier VALIE EXPORT); Eva-Maria Burger, Romana Wochner (Arbeiterkammer Wien); Hanna SchimekVielen Dank an unsere Programmpartner*innen!
Impressum
Medieninhaber: Österreichisches Filmmuseum; Redaktion: Christoph Huber, Andrea Pollach; 1010 Wien, Augustinerstraße 1. Grafik: Gabi Adébisi-Schuster. Druck: Medienfabrik Graz. Fotos: Soweit nicht anders ausgewiesen stammen die Bilder aus der Fotosammlung Österreichisches Filmmuseum. Coverbild: 2001: A Space Odyssey (1968, Stanley Kubrick)Mitwirkende
Texte/Kuratierung/Einführungen/ModerationenTara Najd Ahmadi (T.A.) ist experimentelle Filmemacherin, Kuratorin und Autorin.
Max Bergman (M.B.) ist Filmwissenschaftler und Kurator, seit 2025 künstlerischer Leiter von VIENNA SHORTS.
Brigitta Burger-Utzer (B.B.U.) Brigitta Burger-Utzer ist Mitbegründerin und bis 2023 Geschäftsführerin von sixpackfilm; Kuratorin und Filmpublizistin.
Dennis Doros (D.D.) ist Filmarchivar und Verleiher, Co-Gründer von Milestone Films und Missing Movies (gemeinsam mit Amy Heller).
Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler leiten seit 2021 das Crossing Europe Filmfestival Linz.
Kristina Henschel ist organisatorische Leiterin der Duisburger Filmwoche.
Patrick Holzapfel (P.H.) ist Autor, Filmemacher und freier Kurator.
Friederike Horstmann (F.H.) schreibt zu Kunst und Kino und ist Kuratorin, u.a. für die Duisburger Filmwoche.
Dominik Kamalzadeh (D.K.) ist Co-Intendant der Diagonale, Kurator und Filmpublizist.
Anna Katharina Laggner (A.K.L.) ist Autorin, Filmkritikerin, Künstlerin, Moderatorin und Radiomacherin.
Jonida Laçi (J.L.) ist Künstlerin und arbeitet im Team von sixpackfilm.
Olaf Möller (O.M.) ist Filmwissenschaftler, Kritiker und Kurator.
Vrääth Öhner (V.Ö.) ist Film-, Medien- und Kulturwissenschaftler.
Jacob Perlin (J.P.) ist Kurator, Verleiher, Produzent und Kreativdirektor von Cinema Conservancy.
Julia Pühringer ist Journalistin mit Schwerpunkt Kino und Kultur; arbeitet zu Geschlechterverhältnissen im Film und in der Filmgeschichte.
Jed Rapfogel (J.R.) ist Kurator für Anthology Film Archives in New York sowie Filmpublizist.
Alexander Scholz ist künstlerischer Leiter der Duisburger Filmwoche.
Dietmar Schwärzler (D.S.) ist Geschäftsführer von sixpackfilm, Film- und Medienvermittler sowie Kurator.
Stan Shields (S.S.) ist Kurator beim Seattle International Film Festival.
Harry Tomicek (H.T.) war langjähriger Autor von Filmtexten für das Filmmuseum und Filmpublizist.
Gerald Weber ist Kurator und stellvertretender Leiter von sixpackfilm.
Georg Weckwerth ist Künstler und Kurator sowie Gründer und künstlerischer Leiter von Tonspur Kunstverein.
Sabina Zeithammer (S.Z.) ist Filmkritikerin, Autorin, Redakteurin und Lektorin.
Österreichisches Filmmuseum: Christoph Huber (C.H.), Michael Loebenstein, Jurij Meden (J.M.), Katharina Müller (K.M.), Andrea Pollach (A.P.), Elisabeth Streit (E.S.), Tom Waibel (T.W.)