
Sebastiane
Derek Jarman, Paul Humfress, GB 1976; Drehbuch: Derek Jarman, James Whaley; Kamera: Peter Middleton; Schnitt: Paul Humfress; Musik: Brian Eno; Darsteller*innen: Leonardo Treviglio, Barney James, Neil Kennedy, Richard Warwick, Ken Hicks. 35mm, Farbe, 85 min. Lateinisch mit engl. UTMit seinem aufsehenerregenden Langfilmdebüt kündigte sich Jarmans radikal neue Stimme im europäischen Kino an. Nicht nur war es der erste Film in lateinischer Sprache, sondern vor allem auch die erste "offen homoerotische" britische Produktion. Tilda Swinton nannte Sebastiane "für so viele nichts weniger als ein Wunder"; wie der Protagonist selbst im Film sagt: "Die Türen wurden geöffnet." Das Martyrium des frühchristlichen Heiligen Sebastian ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Sujet schwuler Künstler – an einen Baum gefesselt dargestellt, sein Oberkörper von Pfeilen durchbohrt. Jarman erweiterte hier die Leinwand in jeder Hinsicht: Er drehte an felsigen, sonnenverbrannten Schauplätzen auf Sardinien, setzte einen derben historischen Dialekt ein und schwelgte in bacchantischen Exzessen vergangener Tage, die kreative Fackel des kurz vor dem Dreh ermordeten (genauer gesagt gemarterten") Pasolini aufnehmend. (N.Y.)
Einführung von Neil Young am 10.4.2026
Courtesy British Film Institute