Poison, 1991, Todd Haynes (Foto: DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum)

Poison

Todd Haynes, US 1991; Drehbuch: Todd Haynes frei nach Jean Genets Novellen; Kamera: Maryse Alberti; Schnitt: Todd Haynes, James Lyons; Musik: James Bennett; Darsteller*innen: Edith Meeks, Larry Maxwell, Susan Norman, James Lyons, John Leguizamo. 35mm, Farbe und sw, 85 min. Englisch mit dt. UT
 
"The whole world is dying of panicky fright", verkündet eine Titelkarte zu Beginn von Haynes' Langfilmdebüt Poison, das die Atmosphäre der Verunsicherung auch in der Form weitergibt: Drei unabhängige Geschichten in völlig verschiedenen Stilen, durch den Schnitt so verwoben, dass gemeinsame Themen wie Entfremdung, Verfolgung, Abweichung und Monstrosität implizit hervortreten. Hero erzählt in Manier einer populistischen TV-Dokumentation von einem Siebenjährigen, der den Vater ermordet hat und verschwunden ist; Horror ist ein B-Picture-Pastiche über den Selbstversuch eines Wissenschaftlers, der den Sexualtrieb als Serum isolieren will; Homo ist eine schwule Gefängnisromanze, die Un chant d'amour, den einzigen Film von Haynes' Inspirationsquelle Jean Genet, beschwört. Formal wie inhaltlich die Kulmination des New Queer Cinema, dessen selbstbewusste und erfolgreiche Präsenz in diesem Film für Kontroversen sorgte. (C.H.)