
Knife in the Heart of Europe
Artem Terent'ev, AT/DE 2025, DCP, Farbe, 60 min. Russisch mit engl. UTAls einen Film, der "fast nicht existiert", so bezeichnet Terent'ev seine fragmentarischen Aufnahmen. Sie beginnen in der Wohnung seiner Großmutter in der russischen Exklave Kaliningrad. Während sie im Wohnzimmer russische Propagandanachrichten über den Ukrainekrieg verfolgt, erscheint in Untertiteln: "Dear viewers, I am now editing this film." Mit tastender Handkamera bewegt sich Terent'ev durch postsowjetische Topografien bis zur Datscha seines kürzlich verstorbenen Großvaters. Gedreht mit einer Blackmagic Camera und zwei zersägten Sowjet-Optiken entstehen matt entfärbte Low-Fi-Bilder, die teils an der Grenze der Sichtbarkeit operieren: Jugendliche spielen zwischen Industrieruinen, nächtens sucht ein kaum erkennbarer Fischer nach seinem Fang, ein unsichtbarer Passant verdächtigt Terent’ev aus dem Off der Spionage. Begleitet von der stummen, nur in Untertiteln lesbaren Stimme des Filmemachers werden die Verstörungen der Gegenwart vor allem in filmischen Texturen sichtbar. (F.H.)