Ordet (Das Wort), 1954–55, Carl Theodor Dreyer

Ordet (Das Wort)

Carl Theodor Dreyer, DK 1955; Drehbuch: Carl Theodor Dreyer nach einem Stück von Kaj Munk; Kamera: Henning Bendtsen; Musik: Poul Schierbeck; Schnitt: Edith Schlüssel; Darsteller*innen: Henrik Malberg, Birgitte Federspiel, Emil Hass Christensen, Preben Lerdorff Rye. 35mm, sw, 125 min. Dänisch mit dt. UT
 
Ordet ist Dreyers ungeheuerstes Werk, wenn man bereit ist, das Wort im ursprünglichen Sinn zu verstehen: eine Herausforderung, ein "Ärgernis" im Sinne Kierkegaards. Ordet handelt von der gefährdeten Heimat des Menschen und trägt sich zu im wohlgeratenen Heim eines dänischen Bauernhauses. Worin wir weilen und wohnen: das Haus, die Sprache, der Glaube, der Unglaube, die Liebe. Und worin unser Aufenthalt zerbricht: die Heimatlosigkeit des Todes. Nicht ein, sondern der Film über den Tod, also über die Heimatlosigkeit, die unerklärliche, aussetzende Macht des Endes allen Zuwendens und Antwortens. Im Zentrum das unendlich ruhige, endgültige Bild eines Zimmers, in dessen Iichtumflossener Mitte der Sarg mit dem Leichnam einer jungen Frau steht. Am Ende des Films eine Totenerweckung, ein Wunder, das Dreyer mit insistierendem Realismus filmt, als wäre es eine einfache Gegebenheit und kein Absurdum der Sehnsucht, was die Erschütterung noch verstärkt. (Harry Tomicek)
 
In Anwesenheit von Familie und Weggefährt*innen