Tomislav Gotovac
Plastični Isus, 1971, Lazar Stojanović (Foto: Hrvatski filmski savez)
Kuda idemo ne pitajte, 1966, Tomislav Gotovac (Foto: Hrvatski filmski savez)

Tomislav Gotovac
Alles ist "Movie"

12. und 13. Dezember 2019
 
Tomislav Gotovac (1937–2010) war einer der authentischsten kroatischen und jugoslawischen Künstler seiner Zeit, ein rastloser Cinephiler, besessen von Hollywoodfilmen und vom Jazz. Aber Gotovac war auch ein Undergroundfilmemacher auf der Suche nach einem nicht-narrativen Stil, ein Schauspieler/Performer (lange bevor das Konzept der Performance zum Mainstream wurde), eine transgressive Cameo-Ikone des subversiven jugoslawischen Films. Zählt man zu all dem jene Form von "Kino" hinzu, das er mit den Mitteln der Fotografie, der Collage oder des Happenings realisierte ("Alles ist Movie!", so Gotovac), reicht sein Vermächtnis für das Kino weit über dieses hinaus.

Zu Gotovac' bekanntesten Arbeiten zählen jene experimentellen Dokumentationen, die er ab den frühen sechziger Jahren realisierte und die später als Vorläufer des strukturellen Films bezeichnet wurden. Vom Triptychon Prijepodne jednog Fauna (1963) über die sogenannte "Belgrader Trilogie" (1964) bis hin zu Glenn Miller 1 (1977) hielt er an seinem einzigartigen Kinokonzept fest, das durch wesentliche Merkmale bestimmt ist: eine streng vorgegebene Produktionsweise (Beobachtung, Fixierung, Wiederholung), einen reduzierten "Inhalt", recycelten, Ready-made-Ton sowie durch die Hommage an klassische Vorbilder. Gleichzeitig schuf er jedoch Werke von einer intimen Radikalität wie etwa mit Obiteljski film 1 und Obiteljski film 2 aus den siebziger Jahren.

Mitte der neunziger Jahre nahm Gotovac, nach einer langen Pause, seine filmische Tätigkeit mit selbstreflexiven Arbeiten wieder auf. Dazu zählt Dead Man Walking (2003), eine Art Autobiografie, in der seiner bemerkenswertesten Leistung als Schauspieler in Plastični Isus (1971) besondere Bedeutung zukommt: Der mit Zensur und politischem Bann belegte Film von Lazar Stojanović mit Gotovac in der Hauptrolle stellt nicht nur einen Höhepunkt des jugoslawischen Kinos der "Schwarzen Welle" dar, sondern bestätigt auch Tomislav Gotovac selbst als Anarchisten und kompromisslosen Künstler. (D.N.)

Die Schau findet in Kooperation mit dem Institut Tomislav Gotovac statt.

Das Filmmuseum dankt HAVC (Hrvatski audiovizualni centar) und Kontakt. The Art Collection of Erste Group and ERSTE Foundation für ihre Unterstützung bei der Umsetzung der Retrospektive.

Darko Šimičić (Institut Tomislav Gotovac), Diana Nenadić, die Kuratorin der Schau, und Petar Milat, Mitherausgeber der englischsprachigen Monografie
Tomislav Gotovac. Life as a Film Experiment, werden bei den Programmen anwesend sein und Einführungen in englischer Sprache halten.