La Captive du désert (Die Gefangene der Wüste), 1989, Raymond Depardon

Collection on Screen:

RISE UP! Film – Form – Freiheit

6. September bis 21. Oktober 2026

Der Kampf um die Freiheit sei ein kultureller Akt, prophezeite Amilcar Cabral auf der trikontinentalen Konferenz in Solidarität mit Afrika, Asien und Lateinamerika in Havanna 1966. In Kuba wurde dem Kino eine Schlüsselrolle unter den befreienden kulturellen Akten zugemutet: Hier – und im Trikont – kursierten zahlreiche Vorstellungen, wie befreites (revolutionäres) Kino aussehen konnte und sollte, und sie unterschieden sich darin, ob das Bewegtbild eher als Abbild, Motor oder Kritik von Kultur und Gesellschaft angesehen wurde. Das Verständnis vom politischen Potenzial des Filmemachens überspannte einen Horizont, der sich vom Kino als Montage (und Konstruktion) der Wirklichkeit bis zum Kino als Waffe zur Befreiung aus (kolonialen) Abhängigkeitsverhältnissen erstreckte.

Vierzig Jahre nach der Konferenz in Havanna beauftragte Peter Sellars Regisseur*innen, Filme im Rahmen des New Crowned Hope-Festivals in Wien 2006 herzustellen. Dem Werk Mozarts verpflichtet, war Sellars daran interessiert, wie Kino aus dem Trikont in der Lage sei, widersprüchliche Dinge zu künstlerischen Lösungen zu bringen. Jetzt, 20 Jahre später, kombinieren wir ausgewählte Werke aus diesen politisch und sozial so unterschiedlichen Epochen des Dritten Kinos, und stellen Ritwik Ghataks bengalisches Flüchtlingsepos Subarnarekha (1962) der Inszenierung des Ramayana-Epos Opera Jawa (2006) von Garin Nugroho gegenüber. Wir fragen, wie sich Tomás Gutiérrez Aleas Satire Der Tod eines Bürokraten (1966) zu – an Mozarts Requiem orientierten – Hamaca Paraguaya (2006) von Paz Encina verhält. Wir wollen wissen, welche Wege die kurdische Selbstbestimmung von Yılmaz Güneys und Zeki Öktens Sürü (1978) bis zu Bahman Ghobadis Niwemang (2006) zurückgelegt hat. Uns interessiert die Entgegensetzung von Raymond Depardons Blick auf Gefangenschaft in La Captive du désert (1989) mit der Perspektive auf Vergeltung und Vergebung in Mahamat-Saleh Harouns Daratt (2006). Zum Weltkindertag gibt es ein Kurzfilmprogramm aus der Dokumentarserie Children of the World. (Tom Waibel)

In memoriam Simon Field, der als leitender Kurator und Produzent der Filmschiene des New Crowned Hope-Festivals im Rahmen des Mozartjahres 2006 das Entstehen dieser Filme entscheidend mitgeprägt hat.
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