Das Jahr nach Dayton, 1997, Nikolaus Geyrhalter (Foto: Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion)

Neue Unsicherheiten. Österreichischer Dokumentarfilm in den 90er Jahren
Diagonale zu Gast

23. bis 28. September 2026

New Labour, die Balkankriege, ein neuer Gedächtnisbegriff oder der erste WWW-Server am CERN, ein Klima-Gipfel in Rio und Nirvanas Smells Like Teen Spirit? Die 1990er Jahre waren ein Scharnier zwischen dem "No-Future" der 80er Jahre und dem rapiden Aufstieg des Internets.

In Österreich überlagern sich die geopolitischen Verschiebungen mit spezifischen innenpolitischen und sozialen Umbrüchen. Ein bereits seit den 70er Jahren absehbarer Strukturwandel der Industrie stellt die traditionellen Organisationsformen der Arbeiter*innenbewegung zunehmend infrage. Parallel dazu ist auch Österreich unmittelbar von den Folgen der Umbrüche in Osteuropa betroffen. Der Zerfall Jugoslawiens führt zu Migrationsbewegungen, die bestehende Debatten über Zugehörigkeit und Differenz aktualisieren.

Diese Verschiebungen finden auch im österreichischen Kino der 90er Jahre ihren Widerhall. Eine neue Generation von Filmemacher*innen beginnt, etablierte Darstellungsformen zu hinterfragen. Für das historische Programm Neue Unsicherheiten, das in leicht anderer Zusammensetzung erstmals auf der Diagonale im März zu sehen war, wurden zwölf Filme ausgewählt, die diesen Verwerfungen mit formaler Raffinesse nachgehen – sie dokumentieren, reflektieren oder machen sie erst sichtbar. Mit zwei Ausnahmen handelt es sich um Dokumentarfilme, die sich bewusst unterschiedlicher formaler Zugänge bedienen. Diese Vielfalt verweist auf eine zentrale Entwicklung der 90er Jahre: Die Grenzen des Dokumentarischen werden porös, die Frage danach, was als dokumentarische Darstellung gelten kann, wird selbst zum Gegenstand ästhetischer Auseinandersetzung. (Dominik Kamalzadeh/Claudia Slanar)
 
In Kooperation mit der Diagonale – Festival des österreichischen Films