Ken Jacobs, ca. 1969

Ken Jacobs
In memoriam

30. September 2026

Bis zu seinem Tod im Oktober 2025 war Ken Jacobs einer der letzten Vertreter der Generation unabhängiger Filmemacher*innen der Nachkriegszeit. Von den 1950er Jahren bis heute haben sein unglaubliches Lebenswerk sowie sein Engagement als Lehrender und aktives Mitglied der Filmgemeinschaft Generationen gelehrt, wie man sehen kann.

Ob er nun eigenes Material drehte oder Found Footage neu interpretierte – er füllte die Leinwand mit Energie, Staunen und Abenteuerlichkeit. Skurrile frühe Filme mit Jack Smith (Little Stabs at Happiness, Blonde Cobra) führten zu formalen Studien (Tom, Tom the Piper's Son, Soft Rain) und in späten Jahren zu einer Eruption von verblüffenden digitalen Videos. Ausgebildet im abstrakten Expressionismus, führte ihn seine Suche nach neuen visuellen Phänomenen dazu, verschiedene 3D-Technologien zu erfinden und zu erforschen. So entwickelte er für Live-Performances das "Nervous System", das mit herkömmlichem Filmmaterial die Illusion von räumlicher Tiefe erzeugte, sowie die "Nervous Magic Lantern", die ausschließlich mit projiziertem Licht unmögliche, abstrakte Bilder erzeugte.

Diese beiden Programme würdigen Leben und Werk von Ken Jacobs und seiner Frau und Mitstreiterin Flo, die Anfang letzten Jahres ebenfalls verstorben ist. Sie bieten auch die Gelegenheit, eine monumentale Anthologie von Jacobs’ Schriften, Lehrtätigkeit und Interviews vorzustellen. I Walked Into My Shortcomings (Hg. William Rose, The Visible Press, 2026) zeugt von einem Leben im Zeichen des Experimentierens und liefert zugleich eine scharfsinnige Kritik an der amerikanischen Gesellschaft und den ihr inhärenten Themen wie Kapitalismus, Repräsentation, Rassismus und kulturelle Identität. (Mark Webber)

In Anwesenheit von Mark Webber