Gehfilmen 6, 1994, Josef Dabernig, Thomas Baumann, Martin Kaltner

In Person:

Josef Dabernig

14. bis 21. Oktober 2026

Kurz nach seinem 70. Geburtstag feiern wir den österreichischen Künstler Josef Dabernig mit einer Gesamtschau seines filmischen Werks, erweitert um eine Carte blanche und einen Einblick in seine Arbeit in anderen Sparten, u.a. durch Lese-Performances und Dia-Projektionen. Denn die insgesamt 22 Kurzfilme, die Dabernig seit Mitte der 1990er realisiert hat – eine Handvoll davon in Kollaboration mit anderen Künstlern – stellen mit ihrer Präsenz auf Festivals und in Ausstellungsräumen zwar den bekanntesten Teil seines Schaffens dar, gehören aber zu einem medienübergreifenden Werkkomplex, auf den schon der Untertitel der ersten Monografie zu Dabernig verwies: Film, Foto, Text, Objekt, Bau. Dabernig kam 1975 zum Studium der Bildhauerei nach Wien, und seine Arbeit mit Bewegtbildern ist auch deren Weiterführung in "räumlichen Skulpturen". Gleichzeitig sind diese bei aller strukturellen Klarheit aber auch Spiel-Filme im eigentlichen Sinn: eben keine rein abstrakte Konzeptkunst, sondern tragikomische Miniaturen, die mit unverwechselbarer Lakonie Situationen voller absurden Humors und Melancholie präsentieren, die mit biografischen Bezügen angereichert sind und ästhetische wie private Interessen – von der Architektur bis zur Süßspeise – erforschen.

Dabernigs Herkunft aus der Kärntner Marktgemeinde Kötschach-Mauthen nahe der italienischen und slowenischen (damals: jugoslawischen) Grenze kann man auch als Ausgangspunkt für die geografischen Spuren seiner Arbeit sehen: Ausgewählte Orte in Osteuropa, Österreich und Italien dienen als ergiebige Schauplätze für seine Studien der Existenz in einer (post)modernen Welt, die oft Entfremdung und Leere produziert. Die Protagonist*innen haben sich meist in alltäglichen Gewohnheiten eingerichtet, ihre Tätigkeiten und Handgriffe werden zu nachgerade rituellen Akten: Es herrscht Einsamkeit in der Gemeinsamkeit, es gibt zwar Interaktion, aber keine Verständigung im herkömmlichen Sinne. Konsequenterweise bleiben die Filme also oft wortlos oder werden mit Fremdtexten konterkariert, etwa wenn die proletarische Tristesse in den Bildern der Spielsucht-Erzählung Herna (2010) auf ein großbürgerliches Literaten-Hörspiel Bruno Pelladinis trifft. Schon Dabernigs früher Anti-Fußballfilm-Erfolg Wisla (1995) verstärkte seinen Witz durch den Kontrast zwischen einsamen Trainer-Anweisungen im leeren polnischen Stadion und lauten italienischen Fußballfans auf der Tonspur. Seit Rosa coeli (2004) werden gemeinsam mit dem Sounddesigner Michael Palm sorgfältig akustische Räume aus Tönen, Sprache und unterschiedlichster Musik gebaut, die ein dialektisches Verhältnis zum Visuellen eingehen: manchmal mit, dann wieder gegen die Bilder.

Dialektik ist überhaupt ein Schlüsselbegriff für Dabernigs Werk, dessen Tonlagen von angenehmer Depressivität bis zu vergnüglicher Unheimlichkeit reichen und aus dessen erzählerischer Vielfalt sich trotzdem fast monomanische Vorlieben ableiten lassen: Immer wieder Familienfilme, Autofilme, Hotelfilme, Landschaftsfilme, Arbeitsfilme (aber ebenso Freizeitfilme) usw., und vieles davon öfters gleichzeitig, wie etwa die Familienaufstellung Hotel Roccalba (2008) in geradezu kristalliner Zuspitzung demonstriert. (Christoph Huber)
 
In Anwesenheit von Josef Dabernig

In Kooperation mit sixpackfilm und der Kontakt Sammlung der Erste Group