Picture Again, 2002, Linda Christanell
Linda Christanell
Meomsa, 1988, Linda Christanell
Picture Again, 2002, Linda Christanell
Es war ein merkwürdiger Tag, 1979, Linda Christanell

Linda Christanell (Teil 1)

11. November 2026

Bevor sich Linda Christanell, eine Schlüsselfigur der österreichischen feministischen Avantgarde, dem Film als Ausdrucksmittel zuwandte, schuf sie nach ihrem Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien neben Installationen, Performances, Buch- und Fotoprojekten auch textile Skulpturen. Diese Stoffobjekte sind Teil eines größeren Universums von Gegenständen, die in Christanells Filmen immer wieder eine Rolle spielen. Neben ihren eigenen Kunstwerken sind das oft ganz alltägliche Dinge: Modeschmuck, Schuhe, Pelz und Spitze, Postkarten und alte Fotos. Aus diesem üblicherweise weiblich konnotierten Potpourri schafft die Filmemacherin in einer feministischen Umdeutung ein Arsenal an Fetischen, denen sie auf experimentelle Weise filmisches Leben einhaucht. Mit unverwechselbarer Handschrift kreiert Christanell einen schillernden Kosmos aus Bildern, Tönen und Sprache, der gesellschaftspolitische Fragen rund um Rollenbilder, Körper und Sexualität thematisiert.
 
Linda Christanell hat sich als eine Wegbereiterin des feministischen Filmemachens nicht nur in ihrer Kunst gegen das Patriarchat aufgelehnt, sondern war auch in der Frauenbewegung aktiv. Sie war – gemeinsam mit Künstlerinnen wie Renate Bertlmann, Karin Mack, Moucle Blackout und Margot Pilz – ein frühes Mitglied der 1977 gegründeten IntAkt (Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen), einem Künstlerinnennetzwerk, das sich bis heute für Gleichstellung und politische Mitbestimmung engagiert. Zusammen mit Renate Bertlmann gründete sie zudem das BC-Kollektiv, gemeinsam realisierten sie den Film Objektassoziationen (1976), den wir im zweiten Teil unserer Retrospektive im kommenden Jänner zeigen werden.
 
Aus Anlass der Ausstellung LINDA CHRISTANELL. Die Gaben der Göttin im Künstlerhaus widmen wir Christanells einzigartigem filmischen Werk eine zwei­teilige Gesamtschau. Unser Team hat seit der Übernahme ihres filmischen Archivs das Ge­samtwerk der Künstlerin digitalisiert und restauriert, überwiegend auf Basis ihrer Super-8- und 16mm-Umkehroriginale sowie Positivkopien aus unserer Sammlung. Während ein Teil der restaurierten Arbeiten in der Ausstellung zum Einsatz kommt, präsentieren wir Christanells 16mm-Filme in analogen Filmkopien sowie ihre Super-8-Arbeiten in digitaler Form. Der erste Teil der Retrospektive, den Sie im November sehen können, bildet die Bandbreite ihres Werks ab: von den frühen Kurzfilmen bis zu Picture Again von 2002, der Film als Material und Kino als Blickregime ins Zentrum rückt. (Andrea Pollach)
 
In Kooperation mit dem Künstlerhaus, wo von 7.11.2026 bis 7.2.2027 die Ausstellung LINDA CHRISTANELL. Die Gaben der Göttin zu sehen ist.