Im Andenken an Gerhard Friedl

Gerhard Friedl © Ralph Wieser, mischief films
23. September 2009
 
Am 2. Juli 2009 ist Gerhard Benedikt Friedl, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Filmemacher der Gegenwart, im Alter von 41 Jahren verstorben. Geboren in Bad Aussee, studierte Friedl in Wien Philosophie, danach Film an der HFF München und lebte zuletzt in Berlin. Er hat nur zwei Filme und, als „Nebenergebnis einer Recherche“, eine Videoarbeit (gemeinsam mit Laura Horelli) veröffentlicht. Diese geringe Quantität steht in keinem Verhältnis zur besonderen Wirkung und Überzeugungskraft von Friedls Schaffen, das sich in Deutschland und Österreich jenseits der üblichen Branchennetzwerke seine Bahn gebrochen hat und vielfach preisgekrönt wurde, dessen internationale Rezeption jedoch zum Teil noch aussteht.
 
In Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte (1997) und Hat Wolff von Amerongen Konkurs­delikte begangen? (2004) „geschieht etwas ganz Unerhörtes mit dem Verhältnis zwischen Bild und gesprochenem Kommentar. (...) Da kommt jemand daher und erfindet das, 70 Jahre nach Einführung des Tonfilms, noch einmal von Grund auf neu. Ich könnte nicht sagen, was genau zwischen dem lakonischen Erzähler und den rigide komponierten Bildern vor sich geht, aber es ist wohl nicht falsch, darin eine Option zu erkennen, die das Kino so vorher noch nicht wahrgenommen hatte. So, als entdecke man nicht nur eine weitere Tür in dem Haus, in dem man seit längerem lebt und das man gut zu kennen glaubt. Nein, hinter dieser Tür ist gleich auch noch ein bislang unbekannter Trakt, in dem aber nur dieser merkwürdige Friedl wohnt.“ (Volker Pantenburg).
 
Gerhard Friedl war jemand, der das Kino als ein operatives Mittel begriff, als etwas, mit dem gesellschaftliches Material umgegraben oder aufgesprengt werden kann. Termitenkino, oder: die Kunst, in die gleißenden Weltbildwände ringsum Löcher zu schlagen.
 
Zum Auftakt der Veranstaltung wird Harun Farocki, der Gerhard Friedls Arbeit über Jahre mit großer Zuneigung verfolgt hat, einführende Worte sprechen.