Filmmuseum on location:

"Artistic Research" at Courtisane Festival 2013

Chiles en Nogada, 2011, Billy Roisz
Das Festival Courtisane in Gent, eine der bedeutendsten Veranstaltungen Europas im Bereich des innovativen Films, hat das Österreichische Filmmuseum eingeladen, für die heurige Ausgabe ein spezielles Programm zu gestalten. Unter starker Einbeziehung der Sammlung präsentiert das Filmmuseum nun von 17. bis 21. April – „on location“ in Gent – eine dreiteilige Reihe mit dem Titel Artistic Research. Ausgangspunkt für die Konzeption dieses Programms war ein Paradigma, das in den letzten Jahren an Kunsthochschulen und im Rahmen europäischer Förderrichtlinien stetig an Bedeutung gewonnen hat: Der Begriff „Künstlerische Forschung“ geht davon aus, dass die von Künstler/inne/n durchgeführten Recherchen und Projekte nicht nur zu poetischen, sondern auch zu wissenschaftlich relevanten Ergebnissen führen können. In Österreich wurde dazu etwa eine eigene Schiene der Wissenschaftsförderung etabliert (PEEK).
 
Der spielerische Programmvorschlag des Filmmuseums führt rund um dieses Begriffsfeld zwölf historische und zeitgenössische Werke zusammen, die als Forschungsbeiträge verstanden werden können. Die Disziplinen, denen sie dienen, sind freilich Grenzgebiete – sowohl was die wissenschaftliche wie die filmkünstlerische Kategorisierung betrifft. „Experimentelle Ethnografie“ und „Linguistik des Glaubens“ wären nur zwei Beispiele dafür... Was erzählen uns etwa die abstrakten Bild- und Ton-Kakophonien in Billy Roisz‘ Chiles en Nogada (2011) über ein fremdes Land und die Erforschung einer fremden Kultur – und wo berührt sich diese Erzählung mit ethnografisch-filmischen Forschungsfragen, die László Moholy-Nagy, Dušan Makavejev, Forough Farrokhzad und Lisl Ponger in früheren Jahrzehnten gestellt haben? Dokumentiert Richard Leacocks und Marisa Silvers Community of Praise einfach nur den Alltag in einer christlich-fundamentalistischen US-Gemeinde, oder untersucht der Film auch die Sprachen, derer es bedarf, um Religion zu realisieren? Und wieso spiegelt sich die naturwissenschaftliche Laborsituation stets aufs Neue in der poetischen Gestaltung eines Films?
 
Die von Alejandro Bachmann und Alexander Horwath zusammengestellten Programme laden dazu ein, das Grenzgängertum zwischen Kunst und Wissenschaft neu zu bewerten – und den Blick für die Komplexität ihrer Beziehungen zu schärfen. Sind beide mehr als nur die Kurtisane des jeweils anderen?

Programm: