Nusja dhe shtetrrethimi (The Bride and the Curfew), Kristaq Mitro & Ibrahim Muçaj, Albania, 1978 (Foto: Arkivi Qendror Shteteror i Filmit)

O partigiano! Paneuropäischer Partisanenfilm

25. Oktober bis 4. Dezember 2019
 
Die gemeinsame Retrospektive des Österreichischen Filmmuseums und der Viennale widmet sich unter dem Titel "O partigiano!" dem Partisanenfilm. Zwischen den 1940er und den 1980er Jahren entstanden europaweit, vom Westen über die neutralen und blockfreien Staaten bis in die Sowjetunion Filme, die über den bewaffneten zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen den Faschismus erzählten: als "Gründungsmythos" der jeweiligen Nachkriegsordnung und als Stütze sich neu formierender nationaler (oder paneuropäischer) Identitäten.

Vor allem in den sozialistischen Staatenbünden der Sowjetunion und Jugoslawiens spielte der Partisanenfilm eine wichtige Rolle. Dieses Filme waren für die sozialistischen Filmindustrien das, was der Western für das Hollywoodkino war: das bestimmende Genre seiner Zeit und ein bedeutsames Mittel, um dunkle Flecken der Zeitgeschichte umzudeuten oder gar "weißzuwaschen". Und wie der Western verlor auch der Partisanenfilm zunehmend an Mainstream-Relevanz, um sich in den 1960er und 1970er Jahren ideologiekritisch neu zu erfinden. Zu ihrer Entstehungszeit und im jeweiligen nationalen Kontext populär, sind diese Filme bis auf wenige gefeierte Einzelwerke heute nahezu unbekannt.

"O partigiano!" erlaubt es erstmals, das Erbe des Partisanenfilms in all seiner ästhetischen Vielfalt und in seinem historisch-politischen Kontext zu entdecken: mit Filmen aus 20 Ländern und einer Vielzahl von Archiven, in raren Filmkopien und begleitet von einer englischsprachigen Publikation. Die Bandbreite reicht vom neorealistischen Drama und bombastischen Militärspektakel bis zum Musical und der Komödie. Was wir dabei sichtbar machen wollen, ist weniger ein Genre als eine Idee: wie das Kino über die Blockgrenzen hinweg dazu beiträgt, aus der gemeinsamen Erfahrung der Überwindung des Faschismus und der Gräuel des Naziterrors neue Werte und Identitäten zu schaffen. Können wir den Partisanenfilm als eine Art Keimzelle eines europäischen Nachkriegskinos verstehen? Und was bedeutet uns dieses Kino zu einer Zeit, in der die Grundpfeiler des europäischen Nachkriegsprojekts in Frage gestellt werden und illiberale und autoritäre Rhetorik zunehmend Boden gewinnt? In jedem Falle bietet unsere Retrospektive die Gelegenheit, dieses nahezu vergessene Kapitel der Filmgeschichte im Kino wiederzuentdecken: als ästhetisch und erzählerisch herausragende Kunstwerke und als Zeitdokumente einer Ära, in der man einen Faschisten noch ungestraft als solchen bezeichnen konnte. (Michael Loebenstein, Jurij Meden)
 
Ein Programm von Viennale und Österreichischem Filmmuseum.