Young Frankenstein, 1974, Mel Brooks
Spaceballs, 1987, Mel Brooks
The Producers, 1967, Mel Brooks
Lost in America, 1985, Albert Brooks (Foto: Filmarchiv Austria)
Silent Movie, 1976, Mel Brooks

Mel & Albert Brooks
Erfinder der modernen Komödie

22. Dezember bis 9. Jänner 2020

"If we had 3 million exhibitionists and only one voyeur, nobody could make any money."

"Bad taste is simply saying the truth before it should be said."

"I only direct in self-defense."

"When I die, if the word ›thong‹ appears in the first or second sentence of my obituary, I've screwed up."


Zwei dieser Zitate stammen von Albert Brooks (geb. Albert Lawrence Einstein), die anderen beiden von dessen Namensvetter Mel (geb. Melvin Kaminsky) – zwei widerspenstigen Köpfen des US-Kinos, denen unser diesjähriges Weihnachtsprogramm gewidmet ist. Brooks und Brooks zählen – als Schauspieler, Autoren und Regisseure – zu den unbändigsten und zugleich beständigsten Hollywood-Komikern des späten 20. Jahrhunderts. Dieses umfangreiche Tribute sucht jedoch nicht nach Gemeinsamkeiten und will auch keine Parallelen zwischen dem jeweils reichhaltigen Werk ziehen. Denn Albert und Mel Brooks haben sich auf ihre unverwechselbare, persönliche Weise in die Geschichte der Filmkomödie eingeschrieben und beide verdienen es, einzeln für ihre Arbeit gewürdigt zu werden.
 
Was Brooks & Brooks jedoch verbindet, ist, abgesehen vom gemeinsamen Nom de guerre, ihr einzigartiger Status als – nach wie vor viel zu wenig beachtete – Begründer einer modernen US-Komödie. Albert Brooks wird oft als die weniger produktive und deshalb gemächlichere Westküstenversion von Woody Allen bezeichnet (oder abgelehnt), tatsächlich aber macht man es sich mit dieser Beschreibung bequem: Denn während Woody Allens neurotische Intellektuelle trotz ihrer jugendlich-renitenten Wut immer sympathisch, liebenswert und letztlich harmlos bleiben (wie Allens Filme selbst), scheut Albert nicht davor zurück, seine immer von ihm selbst gespielten Charaktere in hochnotpeinliche Situationen zu versetzen, in denen sie die Grenze von unerfreulich zu richtig übel überschreiten (müssen). Albert Brooks kann auch als Gründer der Cringe-Comedy gesehen werden, die in den 90er Jahren ihre erste Blüte erlebte und nach der Jahrtausendwende schließlich regelrecht explodierte, angeführt von Comedy-Größen wie Larry David, Ricky Gervais und Stand-up-Comedian Louis C. K.
 
Mel hingegen, der seine Filmkarriere ein Jahrzehnt zuvor begonnen hatte, trug über Jahre hinweg stolz die Fackel der schamlos vulgären Slapstick-Komödie und pflegte die lustvoll-grobschlächtige Form der Parodie – eine Brutstätte für jenen späteren Slapstick, dessen Güteklasse von vortrefflich (Farrelly-Brüder) bis mitunter brillant (Jim Carrey, Adam Sandler) reichen sollte. (J.M./C.H.)
 
Die Retrospektive wurde mit der großzügigen Unterstützung der US Botschaft in Österreich realisiert.