Igra života (Das Lebensspiel), 1972, Tatjana Ivančić
Zärtliches, 1976, Renate Bertlmann
Maria Lassnig in Stone Lifting. A Self Portrait in Progress (1971–75, Maria Lassnig) © Maria Lassnig Stiftung

Collection on Screen:

Positionen. Renate Bertlmann, Tatjana Ivančić, Maria Lassnig

4. September bis 17. Oktober 2021

Das Verfügbar- und Sichtbarmachen von filmischen Werken ist eine zentrale Mission eines Filmmuseums. Dieses Modul gibt Einblick in ak­tuelle Archiv-Projekte: die Restaurierung (als Vorarbeit zur Fertigstel­lung) von Maria Lassnigs filmischem Nachlass, die digitale Restaurie­rung von Tatjana Ivančićs wenigen noch existierenden Super-8-Filmen sowie die Digitalisierung und digitale Langzeitsicherung von Renate Bertlmanns filmischen Arbeiten. Auch ihre Entstehungszeit verbindet die Filme dieser sehr unterschiedlichen Künstlerinnen, und in der Zu­sammenschau lassen sich trotz verschiedener Handschriften auch Gemeinsamkeiten entdecken.
 
Maria Lassnig (1919–2014) gilt als eine der wichtigsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. In den 1970er Jahren setzte sie ihr Leitthema des Selbstporträts und der Körperwahrnehmung mit filmischen Mit­teln um. Einige dieser Filmarbeiten zählen zum Lassnig-Kanon, doch viele Werke dieser Schaffensphase blieben unvollendet: "Films in progress". Für die Maria Lassnig Stiftung wurde der filmische Nach­lass von zwei engen Vertrauten Lassnigs – Hans Werner Poschauko und Mara Mattuschka – aufgearbeitet und im Sinne ihres ursprüng­lichen Konzeptes nach Lassnigs Aufzeichnungen fertiggestellt. Un­sere Publikation Maria Lassnig. Das filmische Werk versammelt viele davon und wird nun vor Publikum präsentiert.

Auch Renate Bertlmann (*1943), eine der wichtigsten Vertreterin­nen der feministischen Kunst in Österreich, ist in mehreren Kunst­sparten tätig: Grafik, Fotografie, Zeichnung, Objekt, Installation, Per­formance – und Film. Ebenso wie Maria Lassnig ist sie an der Dekon­struktion von Geschlechterverhältnissen und Klischees interessiert. Neben ihrer künstlerischen Arbeit war Bertlmann seit den 1970er Jah­ren auch in der Frauenbewegung aktiv.
 
Tatjana Ivančić (1913–86) gilt mit über 70 Kurzfilmen, die zwischen den 1960er und 1980er Jahren entstanden sind, als das produktivste Mitglied des Cineclub Zagreb. Die promovierte Juristin Ivančić wandte sich in ihren 50ern dem Amateur*innenfilm zu und schätzte die (künstlerische) Freiheit dieser Arbeitsform, die aber gleichzeitig eine unterbewertete Position darstellte. Obwohl Ivančić eine wichtige Figur im Kontext des jugoslawischen experimentellen Kinos und auf vielen Amateur*innenfilmfestivals äußerst erfolgreich war, ist ihr Werk weitgehend verschollen. Es ist der Initiative des Cineclub Zagreb in Zusammenarbeit mit der Kroatischen Kinemathek zu verdanken, dass die 14 noch auffindbaren Filme vom Österreichischen Filmmuseum restauriert werden konnten. (Andrea Pollach)

Mit Herbst 2021 startet das Österreichische Filmmuseum die neue Reihe Collection on Screen, die sich anhand unserer eigenen Sammlung mit Filmgeschichte auseinandersetzt.
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