Der Mandarin, 1918, Fritz Freisler

Filmmuseum on Location:

im Wiener Konzerthaus und im Lentos | Kunstmuseum Linz

Am 27. Jänner 2009 stellt das Wiener Konzerthaus im Rahmen des Zyklus Film und Musik eine jener kinematografischen „Wiederbelebungen“ vor, die das Filmmuseum in den letzten Jahren betrieben und weltweit präsentiert hat: Der Mandarin, entstanden 1918 in Wien unter der Regie von Fritz Freisler und produziert von Alexander Kolowrat. Der Film, jahrzehntelang als verschollener Klassiker des österreichischen Kinos verbucht, wurde in den USA wiedergefunden und 2004 vom Filmmuseum gemeinsam mit dem George Eastman House in Rochester restauriert.

 
Der Mandarin kann als ein zentrales Zeugnis für das übersinnliche, „prä-caligaristische“ Kino angesehen werden, das bereits in der Endzeit des Ersten Weltkriegs in Österreich und Deutschland hergestellt wurde. Die psychosozialen Erschütterungen des Krieges brechen sich darin in Form von grandiosen Wahnvorstellungen bzw. – je nach Perspektive – in Gestalt verführerischer böser Geister Bahn. Die im Konzerthaus aufgeführte Musik zum Film stammt von Martin De Ruiter und ist 2006 im Auftrag der Amsterdamer Filmmuseum Biennale entstanden. Wie schon bei der Uraufführung in Amsterdam wird das Max Tak Orchestra diese Musik auch in Wien darbieten.
 
Filmmuseum-Mitglieder genießen 10 % Ermäßigung auf bis zu 2 Eintrittskarten.
  
Von 1. Jänner bis 5. Mai 2009 zeigt das Lentos-Museum zum Auftakt von Linz 09 die Großausstellung Best of Austria: 30 österreichische Museen wurden eingeladen, jeweils drei Spitzenwerke aus ihren Sammlungen auszuwählen und in Linz, der Europäischen Kulturhauptstadt 2009 zu präsentieren. Eine temporäre, spielerische Versuchsanordnung: „Die ideale Sammlung, als Summe unter­schied­licher Potenziale. Gibt es so etwas? Und wie könnte eine solche Sammlung aussehen? Was sind die Kriterien der Auswahl? Nach welchen Maßstäben wird die Qualität von Kunst bestimmt? Und was bedeutet das 'kulturelle Erbe‘ eines Landes?“
 
Für den Beitrag des Filmmuseums wird einer der Museums­räume in ein schwarzes Kino verwandelt, um dort während der gesamten Ausstellungsdauer 35mm-Filme in angemessener Weise zu präsentieren. Nicht als Filminstallation, sondern als Aufführungsakt, als "Performance". Zu jeder vollen und halben Stunde werden Gaston Velles La Peine du talion (1906), Len Lyes Trade ­Tattoo (1937) und Peter Kubelkas Schwechater (1958) zu sehen sein – das frühe Kino der Belle Époque, vor der Kanonisierung des Mediums (Gaston Velle); die klassische Moderne (Len Lye); und die Neo-Avantgarde um 1960, die bereits das postklassische Zeitalter des Films ankündigt (Peter Kubelka).
 
Es sind drei Meisterwerke des individuellen kinematografischen Ausdrucks, in denen zugleich das Nicht-Individuelle des Films aufgehoben ist: ein Zaubermärchen für das Massen­medium in spe, ein Imagefilm für die britische Post und eine (vom Auftraggeber vehement abgelehnte) Werbung für eine Biermarke. Radikale, von der „magischen Wurzel“ des Mediums genährte Trickfilme. Kader um Kader gestrickte Industriefilme. Filme, die nur einer Nation angehören: Handmade Wonderland.