Toxi, 1952, Robert A. Stemmle (Foto: Deutsche Kinemathek)
Toxi, 1952, Robert A. Stemmle (Foto: Deutsche Kinemathek)
Toxi, 1952, Robert A. Stemmle (Foto: Deutsche Kinemathek)

Treibgut:

"Toxi" und die Schwarzen Besatzungskinder

8. August 2021

Ingrid Bauer (Salzburg/Wien), Azziza B. Malanda (Köln) und Philipp Rohrbach (Wien) präsentieren die neue Ausgabe der Zeitschrift zeitgeschichte (1/2021) zum Thema: "Black GI Children in Post-World War II Europe". Ausgangspunkt ist die Tragikkomödie Toxi (BRD, 1952), deren fünfjährige Schwarze Titelheldin die Herzen des zeitgenössischen Kinopublikums im Sturm eroberte. Der Film kam in die Kinos, als die ersten Kinder Schwarzer US-amerikanischer GIs und deutscher Frauen eingeschult wurden. Er stellte den Versuch dar, die Öffentlichkeit auf die Existenz der Schwarzen "Besatzungskinder" vorzubereiten, Sympathien für sie und ihr Schicksal zu wecken und Vorurteile abzubauen.

Toxi entstand in einer Gesellschaft, in welcher Rassismus und Antisemitismus einige Jahre zuvor zur Staatsdoktrin erhoben worden waren und europaweit millionenfach zu Verfolgung und Vernichtung geführt hatten. Indirekt wird mit dem Film auch die damals noch weitgehend unbearbeitete nationalsozialistische Vergangenheit verhandelt. Toxi tritt an die Stelle der ermordeten Jüdinnen und Juden und erfährt als stellvertretende "andere" "Wiedergutmachung".

Der Film greift die Rassismus-Thematik aus zeitgenössischer Sicht zwar mit kritischem Bewusstsein auf, tut das aber im Stil eines Unterhaltungsfilms sowie mit sentimentaler Ausrichtung und rosaroten Lösungen. Dem filmischen Melodrama wird daher im zweiten Teil der Veranstaltung – auf der Basis aktueller zeitgeschichtlicher Forschungen – die ambivalente Realität von Schwarzen "Besatzungskindern" in Österreich und Deutschland gegenübergestellt: der Umgang von Gesellschaft und Behörden mit ihnen und ihren Müttern, von den Jugendämtern betriebene Strategien der Heimunterbringung und Auslandsadoption, die schwierige Identitätssuche in einer sich als weiß verstehenden Gesellschaft. Die drei Historiker*innen haben im Rahmen ihrer Recherchen auch zahlreiche lebensgeschichtliche Interviews mit betroffenen Frauen und Männern geführt und sie nach ihren Erfahrungen und ihrem aktuellen Selbstverständnis gefragt.

Moderation: Vanessa Spanbauer (Wien)

In Kooperation mit dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) und dem Verein zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte
 
In der Programmschiene Treibgut präsentieren wir Beispiele "ephemerer" Filme: Archivfunde, Filmdokumente, unveröffentlichtes und fragmentarisches Filmmaterial, welches im Rahmen der Museumsarbeit wissenschaftlich und kuratorisch aufgearbeitet wird.

Das Programm findet bei freiem Eintritt statt (Zählkarten an der Kinokassa) / 1 Euro Solidarbeitrag für Aktion Kulturpass
Zusätzliche Materialien

Programm: