Dolgie provody (Langer Abschied) 1971, Kira Muratova (Foto: Oleksandr Dovzhenko National Centre)

Dolgie provody (Langer Abschied)

Regie: Kira Muratova; Drehbuch: Natal'ya Ryazantseva; Kamera: Hennadii Kariuk; Schnitt: Valentyna Oliinyk; Musik, Kamera: Oleg Karavaychuk; Darsteller: Zinaida Sharko, Oleh Vladimirskii, Tetiana Mychko. Sowjetunion, 1971, 35mm, sw, 97 min. Russisch mit dt. und frz. UT
 
Nach ihrer Scheidung dreht sich das Leben von Yevgenia ausschließlich um ihren Sohn. Nachdem er den Sommerurlaub mit seinem Vater verbracht hat, erklärt Sasha seiner Mutter, dass er fortan nicht mehr bei ihr leben möchte. Obwohl es ihr das Herz bricht, muss sie erkennen, dass sie sich nicht länger an ihn klammern kann. Wie in ihrem Solo-Regiedebüt Korotkie vstrechi verzichtet Muratova auf eine konventionelle Erzählweise zugunsten einer nahezu poetischen Ergründung von Sehnsucht, Einsamkeit und Weiblichkeit. Das Ergebnis ist Muratovas zartester, feinfühligster Film, in dem die Verbindung zwischen Mutter und Sohn auch als Metapher für jede männlich-weibliche Beziehung betrachtet werden kann. Die sowjetische Zensur fand diesen ausschließlich an der Empfindsamkeit seiner Figuren interessierten Film derart befremdend, dass Korotkie vstrechi fast zwanzig Jahre lang zurückgehalten wurde. (J.M.)