Peremena uchasti (Die Schicksalswende)  1987, Kira Muratova (Foto: Oleksandr Dovzhenko National Centre)

Peremena uchasti (Die Schicksalswende)

Regie, Drehbuch: Kira Muratova; Kamera: Valeriy Myul'gaut; Darsteller: Leonid Voron, Natalya Leble, Yuriy Shlykov. Sowjetunion, 1987, 35mm, Farbe, 109 min. Russisch mit engl. UT

Maria, eine verheiratete Frau, erschießt in einem Wutanfall ihren Geliebten, weil er sie betrogen hat. Sie landet im Gefängnis, ohne ihre Tat zu bereuen. Frei nach W. Somerset Maughams Drama The Letter (1927), ist Peremena uchasti nahezu die Antithese zur Verfilmung von William Wyler aus dem Jahr 1940 mit Bette Davis. Kira Muratova führt fort, was sie bereits mit Sredi serykh kamney erkennen ließ: eine phantasmagorische Dekonstruktion der Wirklichkeit an der Grenze zum Surrealismus. Weder romantisiert Muratova ihre Protagonistin, noch beurteilt sie Marias Verhalten, das von Entschlossenheit bis zu Ängstlichkeit, von impulsiven Ausbrüchen bis zu gelassener Zärtlichkeit reicht – und das Muratova als so teuflisch wie verführerisch zeichnet. Die Laiendarstellerin Natalya Leble brilliert in dieser vielschichtigen Betrachtung über die (Un-)Möglichkeit, das eigene Schicksal zu verändern. (J.M.)