Astenicheskiy sindrom (Das Asthenische Syndrom) 1989, Kira Muratova (Foto: Oleksandr Dovzhenko National Centre)

Astenicheskiy sindrom (Das Asthenische Syndrom)

Regie: Kira Muratova; Drehbuch: Aleksandr Chernykh, Kira Muratova, Serhii Popov; Kamera: Viktor Kabachanko, Volodymyr Pankov; Schnitt: Valentyna Oliinyk; Darsteller: Serhii Popov, Olga Antonova, Galina Zakhurdayeva. Sowjetunion, 1989, 35mm, Farbe und sw, 153 min. Russisch mit engl. UT
 
Obwohl ihre Filme bereits außerhalb ihrer Heimat Anerkennung fanden, hat erst die Auszeichnung mit dem Silbernen Bären für Astenicheskiy sindrom im Jahr 1990 Muratovas Platz in der ersten Reihe des internationalen Arthouse-Kinos bestätigt. Ein Schwanengesang auf den unwiederbringlichen Niedergang der Sowjetunion. Muratova erzählt die Geschichte einer Frau und eines Mannes, die im Chaos des Alltags und in der Apathie einer zusammenbrechenden Gesellschaft versinken, zweimal: als Film-im-Film in Schwarzweiß und noch einmal in Farbe. Während sich die depressive Frau nach dem Verlust ihres Mannes auf dem direkten Weg in die Selbstzerstörung befindet, leidet der Mann, ein Lehrer, unter asthenischer Persönlichkeitsstörung, jenem titelgebenden Syndrom, das ihn immer wieder ohnmächtig werden lässt. Bei seiner Premiere als harsche Kritik am verknöcherten Sowjetsystem betrachtet, stellt Astenicheskiy sindrom heute eine postapokalyptische Vision dar. (J.M.)