Melodiya dlya sharmanki (Melodie für einen Leierkasten) 2009, Kira Muratova (Foto: Oleksandr Dovzhenko National Centre)

Melodiya dlya sharmanki (Melodie für einen Leierkasten)

Regie: Kira Muratova; Drehbuch: Kira Muratova, Volodymyr Zuiev; Kamera: Volodymyr Pankov; Schnitt: Tamara Denisova; Musik, Kamera: Valentyn Silvestrov; Darsteller: Olena Kostiuk, Roman Burlaka, Natalya Buzko. Ukraine, 2009, 35mm, Farbe, 153 min. Russisch mit engl. UT

Ein herzzerreißender und verstörend tragischer Film. Melodiya dlya sharmanki folgt zwei kleinen Kindern – einem Buben und seiner etwas älteren Schwester –, die aus einem Waisenhaus fliehen, um auf einer langen Reise ihren verschollenen Vater in einer Großstadt zu finden. Alles, was sie von ihm besitzen, ist eine alte, zerrissene Postkarte, die er ihnen schickte und die zeigt, wo er möglicherweise arbeitet. Ihre einsame Pilgerreise findet an Heiligabend statt und führt sie in verschiedene Gesellschaftsschichten, die alle eines gemeinsam haben: Keiner der Erwachsenen kümmert sich um diese beiden verlorenen, ängstlichen, hungrigen und müden kleinen Kreaturen. In ihrem vorletzten Film lässt Muratova ihrem Zorn über den egoistischen Kapitalismus, der auf der Asche vergessener sozialistischer Ideale wie Solidarität gedeiht, freien Lauf. Ihre Weihnachtsgeschichte ist nicht nur eine Umkehrung, sondern eine geradezu satanische Version von A Christmas Carol. (J.M.)