Dillinger è morto (Dillinger ist tot) 1969, Marco Ferreri

Dillinger è morto (Dillinger ist tot)

Regie: Marco Ferreri; Drehbuch: Marco Ferreri, Sergio Bazzini; Kamera: Mario Vulpiani; Schnitt: Mirella Mercio; Musik: Teo Usuelli; Darsteller: Michel Piccoli, Anita Pallenberg, Annie Girardot. Italien, 1969, 35mm, Farbe, 95 min. Italienisch mit engl. UT
 
Der reinste Ausdruck von Ferreris Vision – als visionärer Film, der fast alles, was sich modernes Kunstkino nennt, überschattet. Ein (scheinbarer) Routine-Abend im Leben des Gasmasken-Konstrukteurs Glauco (atemberaubend anti-schauspielernd: Michel Piccoli). Die Dinge des (Wohlstands-)Lebens: Kochen und Essen, Medienkonsum, Spielereien mit den Besitztümern. Wie der Pistole, die in eine Zeitung mit der Todesnachricht von John Dillinger eingewickelt ist. Was dem Film mit derselben Non-Sequitur-Methode zum Titel verhilft, die ihn zur unangestrengten Provokation macht: Surrealismus ganz aus Realismus geboren (und ihn allegorisch aushebelnd – in der kühnen Ruhe ist Ferreri Wahlverwandter von Buñuel). Fast ohne Dialog, oft in Echtzeit wird die Leere des Daseins beschworen, ohne eine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen: Der sinnliche Sog und das berauschende Farbenspiel haben hypnotische Wirkung. Gipfelpunkt: ein "revolutionärer" Befreiungsschlag als verstörende Entgrenzung durch Regression. Zivilisationszersetzung nach 1968: die pure Anarchie, mit paradoxer Unaufgeregtheit serviert. (C.H.)
 
Einführung von Mario Canale am 2. Februar
 
Courtesy Cineteca Nazionale

Freier Eintritt für Fördernde Mitglieder am 12.1.