Une vraie jeune fille (Ein wirklich junges Mädchen)
1976/1999, Catherine Breillat

Une vraie jeune fille (Ein wirklich junges Mädchen)

Regie, Drehbuch: Catherine Breillat nach ihrem Roman Le Soupirail; Kamera: Pierre Fattori, Patrick Godaert; Schnitt: Annie Charrier, Michèle Quevroy; Musik: Mort Shuman; Darsteller: Charlotte Alexandra, Hiram Keller, Rita Maiden. Frankreich, 1976/1999, 35mm, Farbe, 93 min. Französisch mit engl. UT
 
Nachdem sie sich als Schriftstellerin etabliert hatte, sorgte Catherine Breillat mit ihrem Regiedebüt für einen Skandal – die Uraufführung erfolgte erst 1999. Breillats provokanter Erstling legt ihre spezifischen thematischen Interessen (insbesondere am Tabubruch) bloß und offenbart ein völlig eigenständiges kinematografisches Talent: Aus der scheinbar ereignislosen Geschichte mit romantischen Allüren über den Sommerurlaub einer 14-jährigen im ländlichen Frankreich der 1960er wird rasch eine erfrischend schamlose und rasiermesserscharfe Untersuchung weiblicher Teenager-Sexualität. Die mürrische Alice masturbiert aus Langeweile, provoziert ihre Eltern und beschließt, einen jungen Mann zu verführen. Breillats rücksichtslos explizite Darstellung von Sexualität war für das damalige Mainstream-Kino zu transgressiv und spaltete auch seither die Geister: Was Gegner*innen als "philosophische Pornografie" abtaten, erklärten ihre Befürworter*innen zu Kino aus dem Geist von Bataille. (J.M.)
 
In Anwesenheit von Catherine Breillat am 18. Jänner