36 Fillette (Lolita ’90), 1988, Catherine Breillat (Foto: Filmarchiv Austria)

36 Fillette (Lolita '90)

Regie: Catherine Breillat; Drehbuch: Catherine Breillat und Roger Salloch nach Breillats Roman; Kamera: Laurent Dailland; Schnitt: Yann Dedet; Musik: Maxime Schmitt; Darsteller: Delphine Zentout, Etienne Chicot, Jean-Pierre Léaud, Jean-François Stévenin. Frankreich, 1988, 35mm, Farbe, 88 min. Französisch mit engl. UT
 
Lili, eine frühreife und vorlaute 14-jährige, lernt im Urlaub einen Schürzenjäger in der Midlife-Crisis kennen: Er will Sex, doch ihr verqueres Verlangen – sie kann es nicht erwarten, ihre Jungfräulichkeit loszuwerden, ist aber zugleich abgestoßen – macht aus dem geplanten One-Night-Stand eine mehrtägige Auseinandersetzung, die zwischen Erniedrigung und Verständnis schwankt. Während Lili ihren Verehrer abwechselnd erotisch lockt und verbal demütigt, wird jene Zerbrechlichkeit spürbar, die in ihm Gefühle weckt. Catherine Breillat, spezialisiert auf die Zuspitzung sexueller Machtkämpfe, entwickelt die Dynamik ihrer Tragikomödie über nüchtern inszenierte, genau beobachtete Begegnungen. Anfangs trifft Lili auf einen Künstlertypen, gespielt von Jean-Pierre Léaud, einst Darsteller des aufsässigen Teenagers Antoine Doinel. Mit dessen Ratschlägen kann sie herzlich wenig anfangen: Nicht nur diese filmhistorische Geste beweist Breillats charakteristisch subversiven Humor. (C.H.)