Anatomie de l'enfer (Anatomie der Hölle) 2004, Catherine Breillat

Anatomie de l'enfer (Anatomie der Hölle)

Regie, Drehbuch: Catherine Breillat nach ihrem Roman Pornocratie; Kamera: Giorgos Arvanitis, Guillaume Schiffman; Schnitt: Pascale Chavance; Darsteller: Amira Casar, Rocco Siffredi, Alexandre Belin. Frankreich/Portugal, 2004, 35mm, Farbe, 77 min. Französisch mit engl. UT
 
Eine namenlose Frau (Amira Casar) ist in einer Schwulendisco gestrandet, wo sie sich in der Toilette die Pulsadern aufschneidet. Doch sie wird von einem (ebenfalls namenlosen) Discobesucher (Rocco Siffredi) vor dem Tode gerettet und macht ihm trotz seines abschätzigen Auftretens ein Angebot: Sie wird ihn bezahlen, wenn er sie nachts besucht, um sie mit "neutralem" Blick zu beobachten. Indem sie ihren Körper und dessen Sekrete darbietet, will sie sich selbst entdecken. Breillats wohl radikalster Entwurf: ein Meta-Kino-Konstrukt von malerischer Schönheit, dabei praktisch handlungslos – stattdessen wird der Akt des Sehens in aller Nacktheit "durchgespielt" und der Kuleschow-Effekt in pseudopornografischem Zusammenhang demonstriert. Statt einer Studie des Begehrens entwirft Breillat dabei mit tiefem Pessimismus eine Art erotischen Endpunkt des body horror-Genres in Form eines philosophischen Traktats (die Gedanken des Mannes spricht die Regisseurin höchstselbst). Ein einzigartiges Kunst-Stück. (C.H.)