Isabella Morra, 2015, Isabel Pagliai (Foto: Viennale)

Drei Arbeiten von Isabel Pagliai

Isabella Morra FR, 2015, 22 min. OmeU
Mit zärtlich-nüchternem Blick folgt Pagliai Kindern aus einem Heim in Boulogne-sur-Mer. Aus frontaler Perspektive beobachtet sie sie beim gemeinsamen oder einsamen Spiel vor tristen Häuserblocks. Sie werfen Plastikbecher oder sitzen schweigend in der Dämmerung. Ihre Sprache ist vulgär, aber in ihren tastenden Bewegungen liegt etwas Erhabenes, das von tragischer Schicksalhaftigkeit und Auflehnung kündet – prägend auch für das Leben der titelgebenden Renaissance-Dichterin, die von ihren Brüdern in die Isolation gezwungen und schließlich ermordet wurde. (Patrick Holzapfel)

Orféo FR, 2017, 16 min. Kein Dialog
Wie die Kamera die Unterwelt betritt: Am Ufer der Arve evoziert Pagliai ihre Kindheit. Lose inspiriert vom Mythos des Orpheus folgt der Film den sanften Strömungen des Flusses, mäandernd zwischen den Welten, während sich aus bedrohlicher Dunkelheit und schwarzer Einsamkeit doch ein harmonisches Bild schält. Nur noch der Atem des Kindes verweist dann auf konkrete Körperlichkeit – und in jener perfekten Einstellung am Ende der Reise, in der ein Mädchen mit dem friedlichen Höllenwachhund Kerberos spielt, währt die Kindheit ewig. (Patrick Holzapfel)

Tendre (Tender) FR, 2020, 43 min. OmeU
Die Dazwischenheit, in der Licht auf Dunkel trifft, entpuppt sich als perfektes Stimmungsbild für die Schwelle des Lebens, an der Pagliai ihre jugendlichen Protagonist*innen rund um einen unwirklichen Teich beobachtet. Ohne irgendwen mit dem Gewicht eines Narrativs zu belasten, verzeichnet die Filmemacherin das spielerische Treiben erster Verführungen und kindlicher Ekstase. Hugo erzählt Mia von seiner Liebe zu einem anderen Mädchen und der Film folgt seiner Erinnerung. Die Zeit löst sich auf. So wird in diesen sinnlichen Bildern greifbar, was es bedeutet, jung zu sein. Selten kam eine filmische Realität so nah an Peter Pans Nimmerland. (Patrick Holzapfel)
 
In Anwesenheit von Isabel Pagliai

Spieltermine:

Fr 30.10.2020 18:30
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Während der Viennale von 23.10. bis 1.11. sind keine Reservierungen möglich, es gelten gesonderte Ticketregelungen. Tickets sind ausschließlich an Viennale-Kassen, per Telefon 01/526 594 769 oder unter www.viennale.at erhältlich.