Hamsun, 1996, Jan Troell (Foto: Swedish Film Institute)

Hamsun

Regie: Jan Troell; Drehbuch: Jan Troell, Per Olov Enquist nach Processen mod Hamsun von Thorkild Hansen; Kamera: Jan Troell, Mischa Gavrjusjov; Musik: Arvö Part, Keith Jarrett, Johann Strauss (Sohn) u.a.; Darsteller: Max von Sydow, Ghita Nørby, Anette Hoff, Edgar Selge, Ernst Jacobi. SE/DK/NO/DE, 1996, 35mm, Farbe, 153 min. Schwedisch, Dänisch, Norwegisch mit dt. UT
 
Die Ehe von Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun (Max von Sydow) und seiner Frau Marie (Ghita Nørby) ist zerrüttet, seine schriftstellerische Kraft ermattet. 1936 schließt sie sich der faschistischen Partei Vidkun Quislings an und tritt bei Lesereisen durch Nazi-Deutschland als "Stimme ihres Mannes" auf. Hamsun hält an seiner umstrittenen Unterstützung für Hitler selbst nach einem desaströsen Treffen – umgesetzt als bizarres pièce de résistance – am Obersalzberg und über das Kriegsende hinaus fest: Er besteht darauf, sich in einem Gerichtsprozess zu rechtfertigen. Ein episches Historien- und Gewissensdrama, in dem Troell die Konventionen subtil unterwandert: Im Kern steht die mit monströser Intensität gespielte Hassliebe der Hamsuns, während Troell immer wieder verblüffende Bilder findet, die abgründige Tiefen suggerieren – etwa wenn Hamsun fordernd Gott anruft und das Sonnenlicht dabei nicht nur seinen schwarzen Regenschirm zu durchstrahlen scheint, sondern sein Gehirn. (C.H.)