In der Dämmerstunde Berlin de l'aube à la nuit, 1980, Annik Leroy

In der Dämmerstunde Berlin de l'aube à la nuit

Ein Film von Annik Leroy; Schnitt: Eva Houdová, Daniel De Valck. BE/BRD, 1980, 16mm, sw, 67 min. Deutsch und Französisch mit engl. UT
 
In ihrem ersten abendfüllenden Film erforscht Annik Leroy Berlin als Ort der persönlichen und kollektiven Erinnerung. Sie ist eine einsame Spaziergängerin, die sich zwischen verschneiten Ruinen und in verlassenen Stadtvierteln bewegt. Zu Fuß und mit der U-Bahn erkundet sie das, was war und ist. Es ist, als würde Leroy Bilder von Geistern einfangen. Die Orte, die sie filmt, sind größtenteils menschenleer und die Filmemacherin lässt Geräusche spielender Kinder und aufgenommene Gespräche in sie hineinfließen, als würde sie die Stadt bewässern. Etwas Düsteres lauert im Off. Es ist ein einsamer Ort, der die einsame Flaneurin empfängt, während sie in einen Dialog mit Schriftstellern tritt, deren Zitate ins Bild und in die nachhallende Vergangenheit eindringen. Vieles bleibt unaussprechlich, aber wird dennoch bewahrt von stummen Zeugen, die wortlos die Geschichte der Zerstörung Europas erzählen. (I.M.)
 
Anschließendes Gespräch mit Annik Leroy