La sangre es blanca, 2021, Óscar Vincentelli

Kurzfilmprogramm 3: Human Material

La sangre es blanca Óscar Vincentelli. ES/VE, 2021, 13 min
Stierkampf, aufgenommen mit einer Thermalkamera; je wärmer desto weiß. Auf der Tonspur das Getrappel der Hufe, das Schnauben des Stiers sowie die leisen Sohlen seines Mörders – der sich immer mal wieder in geckenhafte Posen wirft vor einem Publikum, das unhörbar im Finsteren bleibt. Eine geisterhafte Veranstaltung, die derart verfremdet erst recht keinen Sinn mehr ergibt: seltsame Rituale hellichter Wesen, die einen abstrakten Tanz aufführen; Eleganz und Überlegenheit auf zwei, Ratlosigkeit und Erschöpfung auf vier Beinen. Am Ende wird Weiß zu Schwarz. (Alexandra Seitz)
 
Los huesos Cristóbal León, Joaquín Cociña. CL, 2021, 14 min. Spanisch mit engl. UT
Eine cineastische Sensation: Der weltweit erste Stop-Motion-Trickfilm entstand 1901 in Chile! (Scherz?) Die Filmemacher danken dem NUMU in Santiago für die Überlassung des Materials (Satire?), das bei Grabungen 2023 (Ironie?) entdeckt wurde. Zu sehen ist, wie eine junge Frau mittels ritueller Beschwörung der Leichen zweier Politiker aus der Historie des Landes diesem die autoritäre Ordnung austreibt. Wie passend, dass dieser Fund in eine Zeit fällt, in der in Chile die Abstimmung über eine neue, demokratische Verfassung ansteht. (Tiefere Bedeutung!) (Barbara Kronsfoth)
 
Train Again Peter Tscherkassky. AT, 2021, 20 min
Das Kino liegt ja angeblich in den letzten Zügen. Und so rattert Tscherkassky durch die Filmgeschichte, als gäbe es kein Morgen. Alles Flirren und Klirren des komponierwütigen Actionkrachers Train Again bäumt sich auf gegen den Bedeutungsverfall der einst so innovativen siebten Kunst. Ein sich methodisch vergaloppierender Husarenritt, ein Crashkurs in rasendem Stillstand, ein apokalyptischer Bildkollaps, ein Katastrophenthriller – und ewig ächzt die Kurbelwelle des alten Kinos. Wer keine Schraube locker hat, lässt sich davon gern überrollen. (Roman Scheiber)
 
A Human Certainty Morgan Quaintance. GB, 2021, 20 min. Englisch
Das Ende einer Beziehung, in Schriftzügen auf Bilder vom Ort der Trennung gesetzt, durchzieht als roter Faden den Filmessay über die einzige Gewissheit des Menschen, den Tod. Schmerz über den Verlust verwebt sich in einem assoziativen Netz mit den grausamen Tatortfotos Weegees, mit Märtyrergeschichten und Friedhöfen, mit Erinnerungen an die Großmutter und ihren Dialog mit den Gestorbenen. Die Meditation über die Vergänglichkeit endet tröstlich: Dem Tod einer Liebe folgt Neues, "things are going to change. I can feel it", lesen wir. (Barbara Kronsfoth)
 
In Anwesenheit von Óscar Vincentelli und Peter Tscherkassky

Spieltermine:

So 24.10.2021 16:00
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Während der Viennale von 21. bis 31.10. sind keine Reservierungen möglich, es gelten gesonderte Ticketregelungen. Tickets sind ausschließlich an Viennale-Kassen, per Telefon 01/526 594 769 oder unter www.viennale.at erhältlich.