Rusari Abi (The Blue Veiled), 1994, Rakhshan Banietemad

Rusari Abi (The Blue Veiled)

Regie, Drehbuch: Rakhshan Banietemad; Kamera: Aziz Sa'ati; Schnitt: Abbas Ganjavi; Musik: Ahmad Pejman; Darsteller*innen: Ezzatolah Entezami, Fatemah Motamed-Aria, Golab Adineh. IR, 1994, DCP (von 35mm), Farbe, 78 min. Persisch mit engl. UT
 
Rasul, ein älterer Fabrikbesitzer, verliebt sich in eine seiner jungen Angestellten, die blau verschleierte Nobar. Rasuls Familie, die sinnbildlich für die iranische Gesellschaft steht, ist schockiert, als sie davon erfährt. Als einer von Rakhshan Banietemads explizit politisch und sozial aufgeladenen – aber auch einer von ihren schönsten – Filmen erzählt Rusari Abi die Geschichte einer klassen- und generationenübergreifenden Beziehung und verbindet die erhabene Schönheit von All That Heaven Allows mit dem konfrontativen Gestus von Angst essen Seele auf. Das im Iran hochgelobte Melodram, das in Locarno mit dem bronzenen Leoparden ausgezeichnet wurde, ist ein Paradebeispiel für Banietemads Interesse, die Klassentrennung in der heutigen iranischen Gesellschaft offenzulegen, für ihre Kritik an der Unfähigkeit dieser Gesellschaft, große wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede zu überbrücken, und für ihren Glauben an individuellen Stolz und Integrität, die sich über alle Armut erheben. Die Protagonist*innen von Rusari Abi sind unglücklich und unzufrieden, weil sie sozialen Zwängen und Belastungen ausgesetzt sind, die sie in Streit und Resignation treiben, obwohl sie sich eigentlich lieben. (T.A.)