Un condamné à mort s'est échappé (Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen), 1956, Robert Bresson

Un condamné à mort s'est échappé (Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen)

Regie: Robert Bresson; Drehbuch: Robert Bresson nach den Memoiren von André Devigny; Kamera: Léonce-Henri Burel; Schnitt: Raymond Lamy; Musik: Wolfgang Amadeus Mozart; Darsteller*innen: François Letterier, Charles Le Clainche, Maurice Beerblock. FR, 1956, 35mm, sw, 98 min. Französisch mit dt. UT
 
"Dies ist eine wahre Geschichte. Ich erzähle sie genauso, wie sie passiert ist", verkündet zu Beginn ein von Bresson gezeichneter Zwischentitel: Wahrheit ist bei ihm ein spiritueller Begriff, der nichts mit der vagen Idee "Realismus" zu tun hat, ebenso wenig wie mit historischer "Rekonstruktion". Die Kinematografie ist eine Kunst, die der Gegenwart verpflichtet ist, weil sie den Augenblick aufzeichnet. Daher verrät dieser beste aller Gefängnisfilme seinen Ausgang schon im Titel, um das Publikum an einer völlig anderen, transzendentalen Form von Spannung teilhaben zu lassen: Wie es der Protagonist tun muss, um zu überleben, muss auch das Publikum seine Sinne schärfen und lernen, auf engstem Raum jedem Geräusch, jedem Detail höchste Aufmerksamkeit zu widmen, um am Ende den überwältigenden Triumph der Freiheit verspüren zu können. Alles Unnötige ist abgestreift: ein Werk von beängstigender Reinheit (oder eben: Wahrheit). (C.H.)