The Wedding March (Der Hochzeitsmarsch), 1926-28, Erich von Stroheim

The Wedding March

Regie: Erich von Stroheim; Drehbuch: Erich von Stroheim, Harry Carr; Kamera: Hal Mohr, B. Sorenson; Schnitt: Frank E. Hull, Josef von Sternberg, Erich von Stroheim; Darsteller*innen: Erich von Stroheim, Fay Wray, Zasu Pitts, George Fawcett. US, 1926–28, 35mm, Farbkopie, ca. 115 min. Englische ZT
 
Eine zweite Kulmination im Werk Stroheims: The Wedding March, ein Meisterwerk des Films und der Irritation. Man darf sich nie sicher sein: Stroheims Blick wechselt in einer einzigen Einstellung zwischen Faszination und sarkastischer Demontage. Das kaiserliche Wien am Vorabend der Katastrophe von 1914: erotomaner Reigen in Pomp, Totentanz der Niedertracht. Ob Stephansdom oder Bordell, die Genauigkeit des Filmauges bleibt bohrend, die Evokation voll großartig genauem Glanz, das filmische Zeitmaß ruhig, gleichförmig, ohne Pardon. Der Blick ist kalt und forschend, vernichtend und zärtlich, die Art der Inszenierung entsagt sich sowohl der expressionistischen Grimasse als der eilfertigen Kunst der Montage. Stroheim als Prinz Nicki von Wildenliebe-Rauffenberg, Libertin und Gardeoffizier, und Fay Wray als armes, bürgerliches Mädchen unter blühenden Obstbäumen in der Nacht beim Heurigen. Eine Sequenz, ausgebreitet in unnachgiebiger Zynik und obsessiver Trauer, ein Kinostück, wie es ähnlich zweischneidig, aggressiv und zart, unglaublich eingehend und unendlich distanziert niemand zu filmen weiß außer Erich von Stroheim. (H.T.)
 
Einführung
Am Klavier: Elaine Loebenstein

Spieltermine: