Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse, 1984, Ulrike Ottinger © Ulrike Ottinger

Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse

Regie, Drehbuch, Kamera: Ulrike Ottinger; Schnitt: Eva Schlensag; Musik: Peer Raben, Patricia Jünger; Darsteller*innen: Veruschka von Lehndorff, Delphine Seyrig, Tabea Blumenschein, Irm Hermann, Magdalena Montezuma. BRD, 1984, 35mm, Farbe, 150 min. Deutsch
 
Eine Geschichte der Verführung, "erlesen vulgär": Während die drei Tugenden des Journalismus ("Unabhängig", "Überparteilich" und "Objektiv") als verkehrte Allegorien nackt und mit großmütterlichem Kopfschmuck im Archiv verstauben, inszeniert Dr. Mabuse (Delphine Seyrig), Konzernchefin und Herrscherin über die globalen Boulevardblätter, die Ausschweifungen eines Opfers zur Auflagen- und Umsatzsteigerung: Dorian Gray (Veruschka von Lehndorff), ein junger narzisstischer Dandy, wird im Spiegel der Boulevardpresse zum "Playboy der Unterwelt" – gespiegelt im historischen Setting einer Inquisitions-Opera, gerahmt durch Bilder, die den Symbolisten Gustave Moreau zitieren. Ein (in die Unendlichkeit weisender) opulenter Film über die Vielschichtigkeit der Oberfläche, als Gegenprogramm zur Geschichtsentleertheit des Boulevards. Augenschmaus, Jodelchor, Punkkonzert, Sightseeingtour durch die Unterwelt sowie die exklusive Wahrheit übers Wienerschnitzel inklusive! (K.M.)
 
In Anwesenheit von Ulrike Ottinger am 30. Mai
 
Courtesy Arsenal