Exil Shanghai, 1997, Ulrike Ottinger © Ulrike Ottinger

Exil Shanghai

Regie, Drehbuch, Kamera: Ulrike Ottinger; Schnitt: Karin Nowarra; Musik: Originalmusik der 1920er und 1930er Jahre aus verschiedenen Archiven und der Sammlung Raymond Wolf; mit: Rena Krasno, Rabbi Theodore Alexander, Gertrude Alexander, lnna Mink, Georges Spunt, Geoffrey Heller. DE/IL, 1997, DCP (von 16mm), Farbe, 275 min. Englisch/Deutsch mit engl. UT
 
Ein "Weißes Rössel", das Restaurant "Fiaker" und den besten Strudel der Welt soll es in Shanghai gegeben haben. Es sind Reproduktionen aus dem einstigen Wien, Berlin oder woher sie noch kamen: Entlang der Lebensläufe deutscher, österreichischer und russischer Juden berichtet dieses außerordentlich elegante, plastische und atmosphärisch dichte Dokument vom Kreuzungspunkt der Emigrant*innen an diesem einst exterritorialen Handelsort, an dem alles zusammenkommt: Gaullisten und Pétainisten, britische Kolonialisten, Nazis, Roosevelt-Amerikaner. Sibirische Geflüchtete eröffnen Pelzgeschäfte, während chinesische Kinder als Konsequenz bitterer Armut in den Müll geworfen werden. Bruchstückhafte visuelle Erinnerung (Fotos, alte Objekte, Zeitungsausschnitte, Musik von alten Schellackplatten) verbinden sich mit Laufbildern einer Gegenwart der 1990er Jahre – eine leuchtende Großstadtsymphonie, gebrochen durch Spuren allergrößter Not. (K.M.)
 
Courtesy Arsenal