The Last Temptation of Christ, 1988, Martin Scorsese

The Last Temptation of Christ

Martin Scorsese. US, 1988, 35mm, Farbe, 164 min. Englisch
 
"I've always wanted to do films of the spirit, spiritual films, but religion gets in the way", hat Martin Scorsese einmal erklärt – und immer wieder sein Möglichstes getan, sich diesen Zwiespalt von der Seele zu filmen. Nirgendwo so direkt wie im Herzensprojekt The Last Temptation of Christ, in dem Scorsese den kontroversen Ansatz aus dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis – den Paul Schrader in ein Drehbuch verwandelte – auf die Leinwand bringt: Was heißt es für Jesus (Willem Dafoe), nicht nur Gott, sondern auch Mensch zu sein? Seinen beim Erscheinen als ungewöhnlich und umstritten aufgenommenen Jesus-Film gestaltet der Regisseur als prototypischen, leidenschaftlichen Scorsese-Film: entfesselte Kamera und modernes method acting (von Harvey Keitel über Barbara Hershey bis zu Musikstars wie David Bowie), inneres Ringen der zerrissenen Seele und ambivalente äußere Bilderstürmerei – nüchterne Askese wie bei Pasolini, heftige Emotionen wie bei Nicholas Ray, Kompositionen wie bei den Alten Meistern. (C.H.)