Pul-lip-deul (Grass), 2018, Hong Sangsoo

Pul-lip-deul (Grass)

Hong Sangsoo. KR, 2018, DCP, sw, 66 min. Koreanisch mit engl. UT
 
Waren schon im Verlagsbüro in The Day After auf einer Stereoanlage LP-Cover von Bach und Brahms zu sehen, findet das Kammerspiel von Grass fast gänzlich in einem Café statt, in dem klassische Musik von Schubert bis Wagner gespielt wird. Grass ist mit 66 Minuten wieder von äußerster Kürze, seine Methode von genialer Einfachheit: Als anwesend-abwesende Erzählerin protokolliert Kim Min-hee (wieder als A-reum) die Gespräche ihrer Tischnachbarn, während sie in der Ecke des Cafés an ihrem Laptop sitzt. In Fortsetzung des vorangegangenen Films ist sie nun zu einer Schriftstellerin geworden, die das Leiden anderer aufzeichnet: In all den Geschichten, die sich die Figuren neben ihr erzählen, geht es ausschließlich um Tod und Leid, erfolgreichen und gescheiterten Suizid. Uneindeutig bleibt, ob die Gespräche real stattfinden oder ob sie A-reums literarischer Imagination entspringen. Sie ist der Schutzengel der Figuren, die sie erfindet. (S.L.)