Kurz davor ist es passiert, 2006, Anja Salomonowitz (Foto: Lukas Beck)

Kurz davor ist es passiert

Anja Salomonowitz. AT, 2006, 35mm, Farbe, 72 min. Deutsch

Gangster Girls

Tina Leisch. AT, 2008, 35mm, Farbe, 79 min. Deutsch
 
Zwischen Dokument und Inszenierung: Als irritierendes Planspiel entwirft Anja Salomonowitz fünf potenzielle "Tatorte" (Grenze, Eigenheim, Bordell, Konsulat, Taxi) rund um das Thema Frauenhandel. Die betroffenen Frauen selbst treten gar nicht auf, sie bleiben wie im realen Leben unsichtbar. Aus Gesprächsprotokollen montierte Texte werden Durchschnittsmenschen in den Mund gelegt, die mit alltäglichen Verrichtungen beschäftigt sind – und potenziell mitwissend sein könnten. Ein doppeltes Rollenspiel. Ein gespenstisches Setting. (B.K.)
 
In Gangster Girls sieht Regisseurin Tina Leisch den Insassinnen des Frauengefängnisses Schwarzau unvoreingenommen zu: beim Arbeiten, beim Erzählen ihrer Geschichten und bei Theaterproben für ihre Euripides-Deutung "Medea bloß zum Trotz" (inklusive Tanz zur Musik von Gustav/Eva Jantschitsch). Die Schminke bleibt im Gesicht, so wird einerseits vorschriftsgemäß Anonymität gewahrt, zum anderen ein Verfremdungseffekt erzielt, der die teils enorm lebendigen Erzählungen überlagert. Die Existenz als Rollenspiel: und zwar eines, das für diese Frauen schon vor der Inhaftierung begonnen hat. (C.H.)
 
Einführung von Drehli Robnik