Lebenslinien. Augustine – Das Herz in der Hand, 1985, Käthe Kratz.

Lebenslinien. Augustine – Das Herz in der Hand

Käthe Kratz. AT, 1985, Farbe, 16 mm, 98 min. Deutsch
 
"Gott schuf Hohe und Gott schuf Niedere", predigt der Pfarrer den Schülerinnen, noch im Kaiserreich. Sie sollen "freudig" ihr "Los erfüllen, ein Dasein in Mühe und Plage, in Arbeit und in Schmerzen". Doch die Lehrerin der Mädchen hat auch noch was zu sagen: Sie hat gelernt, dass nicht alles so bleiben muss, wie es ist. "In die Fabrik geh ich nicht", sagt Gusti (Gerlinde Czekits), tödlich ist der Staub der Glasschleiferei, nach Wien will sie, in der Stadt in Dienst gehen. Die Gnädigste (Monica Bleibtreu) erklärt ihr, was zu tun ist, Gusti muss den ganzen Haushalt schupfen, für sehr wenig Geld. Sie verliebt sich. Lernt Menschen kennen, die demonstrieren gehen, politisch für Gleichberechtigung arbeiten. Käthe Kratz begegnet ihrer Protagonistin auf Augenhöhe, spart die Schicksalsschläge nicht aus, auch nicht die Ausbeutung, die Übergriffe, die Unterdrückung – aber auch nicht, und vermutlich ist das fast noch revolutionärer, die Freuden, den Widerstand, die Liebe. Ein exzellent recherchierter Film über die harte Arbeit, und wer sie macht, zu welchem Preis. Es handelt sich um den ersten Teil der legendären fünfteiligen Reihe für ORF und ZDF, die mit ihren Protagonistinnen mehrere Jahrzehnte österreichischer Geschichte aus weiblicher Perspektive dokumentiert und erlebbar macht. (J.P.)
 
Courtesy Filmarchiv Austria