Salò o le 120 giornate di Sodoma (Die 120 Tage von Sodom), 1975, Pier Paolo Pasolini

Salò o le 120 giornate di Sodoma (Die 120 Tage von Sodom)

Pier Paolo Pasolini. IT, 1975, 35mm, Farbe, 119 min. Italienisch mit dt./frz. UT
 
Pasolini verlegt Marquis de Sades Die 120 Tage von Sodom in die letzten Tage des italienischen Faschismus. Vier Bonzen lassen Jungen und Mädchen von der Straße aufsammeln, wählen daraus ihre Opfer, die sie unter Aufsicht einer Schutztruppe und mit der Hilfe von vier Huren systematisch foltern, sexuell missbrauchen und schließlich abschlachten. In vier Teilen schildert Pasolini ausschließlich Unmenschlichkeit, bewusst karikaturistisch zugespitzt und von Ennio Morricones Musik untermalt. Der Einleitung ("Vor dem Inferno") folgen die Höllenkreise Dantes: der Kreis der Leidenschaft, der Scheiße und des Blutes. Monoton, abstoßend, ohne jedes Mitleid und in starrer Symmetrie zeigt Pasolini eine bleiche, kalte Welt jenseits aller Tabus, die den letzten Reiz in sadistischer Ausübung von Macht findet. Er wirft der Welt den Fehdehandschuh hin: Jede Erwartungshaltung wird verneint, jede Hoffnung der früheren Filme ist begraben. In einem Pas de deux, der ebenso gut ein Totentanz sein könnte, bricht Salò ab. Beim Erscheinen des Films war sein Schöpfer bereits tot. (C.H.)
 
Courtesy Cinémathèque suisse