I racconti di Canterbury (Pasolinis tolldreiste Geschichten), 1972, Pier Paolo Pasolini

I racconti di Canterbury (Pasolinis tolldreiste Geschichten)

Pier Paolo Pasolini. IT/FR, 1972, 35mm, Farbe, 111 min. Italienisch mit dt./frz. UT
 
Im zweiten Film seiner "Trilogie des Lebens" wendet sich Pasolini Geoffrey Chaucers mittelalterlichen Dichtungen zu, dreht vor Ort in England und übernimmt für die Rahmenhandlung die Rolle des Autors, der sich auf Pilgerreise nach Canterbury mit anderen Wanderern die einzelnen Episoden des Films erzählt. Wie schon in Il Decameron kreist alles um Sex und Betrug, aber auch um Mord und Totschlag, eine Verdüsterung ist trotz komödiantischen Tonfalls spürbar: Abschließender Höhepunkt ist eine grandiose Bosch-Höllenvision, in der Satans Arsch korrupte Mönche auswirft. Zu Morricone-Musik und an historischen Gemälden geschulter Kamera (Tonino Delli Colli) wie beim Vorgängerfilm kommen bekannte Darsteller britischer (Hugh Griffith) und italienischer Provenienz (Laura Betti) in Pasolinis Stamm-Ensemble. Seinen Liebling Ninetto Davoli lässt er gar eine Chaplin-Parodie absolvieren: wie andere anachronistische Setzungen (etwa Balladen neueren Datums) ein Zeichen, dass es Pasolini nicht um historische Versenkung, sondern um Gegenwartskritik geht. (C.H.)
 
Courtesy Istituto Luce – Cinecittà