Amore e rabbia (Liebe und Zorn)

Marco Bellocchio und Elda Tattoli, Bernardo Bertolucci, Jean-Luc Godard, Carlo Lizzani, Pier Paolo Pasolini, IT/FR 1969
Drehbuch: Marco Bellocchio, Bernardo Bertolucci, Puccio Pucci, Piero Badalassi, Jean-Luc Godard, Carlo Lizzani, Pier Paolo Pasolini; Kamera: Alain Levent , Sandro Mancori, Aiace Parolin, Ugo Piccone, Giuseppe Ruzzolini; Schnitt: Nino Baragli, Franco Fraticelli, Agnès Guillemot, Roberto Perpignani; Musik: Giovanni Fusco; Darsteller*innen: Tom Baker, Julian Beck, Judith Malina, Ninetto Davoli, Nino Castelnuovo, Marco Bellocchio, Christine Guého, Milena Vukotic, Adriano Aprà. 35mm, Farbe, 102 min. Italienisch mit dt. UT
 
Einer der prominentesten Episodenfilme der 1960er, unter dem Arbeitstitel Vangelo 70 als allgemeine Auseinandersetzung mit christlichen Glaubensgrundsätzen in der Moderne angedacht, von den versammelten Autorenfilmer*innen freilich ganz eigenwillig umgesetzt. Carlo Lizzani eröffnet mit einem hochrasanten Autoraserei-Traktat, dann präsentiert Bernardo Bertolucci den stilisierten Todeskampf eines Bischofs als Performance des legendären Living Theatre. Pier Paolo Pasolini lässt Ninetto Davoli mit einer Papierblume die belebte Via Nazionale hinunterlaufen, überblendet dazu Archivbilder von Krieg und Grausamkeit – bis Gott ein Machtwort spricht. Bei Jean-Luc Godard wird im italofranzösischen Sprachwechsel vorm schönen Rom-Panorama über Politik und Soziales diskutiert, woraufhin Marco Bellocchio und Elda Tattoli mit einem fulminanten Gegenschlag den Schlusspunkt setzen: Mit falschem Bart und ironischem Lächeln präsidiert Bellochio höchstselbst als Professor über die brechtische Reinszenierung eines 68er-Universitätsstreits zwischen Revoltierenden und Konservativen. Die Rededuelle bleiben fruchtlos, am Ende regiert der Rhythmus der Schlagstöcke: eine hellsichtige Vorwegnahme der politischen Desillusionierung, die den Studentenprotesten folgte. (C.H.)
 
Courtesy Cineteca Nazionale