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Do, 08. Oktober 2026
Boris Marte, 1964 – 2026
Mit großer Bestürzung und in tiefer Trauer nimmt das Österreichische Filmmuseum Abschied von seinem ehemaligen Obmann und Vorstandsmitglied Boris Marte (1964–2026), der Anfang Oktober verstorben ist.
Boris wurde im Jahr der Gründung des Filmmuseum geboren. Sein Weg führte ihn zunächst in die Kulturpolitik: als Mitarbeiter im Stab u. a. von Erhard Busek und Elisabeth Gehrer und als Kabinettschef des Wiener Kulturstadtrats Peter Marboe. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Umsetzung des von Simon Wiesenthal initiierten und von Rachel Whiteread gestalteten Mahnmals für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah am Judenplatz beteiligt. Das Mahnmal wurde 2000 eröffnet und ist seit 2019 jährlich Schauplatz der ebenfalls von ihm erdachten "Rede an Europa".
Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik schlug sein Herz weiterhin mit Leidenschaft für Kunst, Kultur und Zivilgesellschaft. 2001 wechselte er zur Erste Bank. Dort und in der 2003 gegründeten ERSTE Stiftung, die er wesentlich aufbaute und später als Geschäftsführer leitete, prägte er über zwei Jahrzehnte zahlreiche kulturelle Initiativen in Österreich sowie in Zentral- und Osteuropa, darunter die Sammlung Kontakt. Als Leiter des Erste HUB trieb er ab 2012 die digitale Erneuerung der Erste Group voran, einschließlich des Online-Bankings George.
Boris war dennoch niemand, der sich mit seinen außergewöhnlichen Verdiensten und seiner unbändigen Kreativität schmückte. Dem Filmmuseum war er fast ein Vierteljahrhundert lang verbunden. Ab der konstituierenden Sitzung des erneuerten Vorstands am 10. Dezember 2001 gehörte er diesem Gremium an, viele Jahre als stellvertretender Obmann. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand blieb er bis zu seinem Tod Mitglied der Vollversammlung.
Mit Boris konnte man Berge versetzen und vor allem Neues schaffen: Als Obmann des Vereins stellte er sich zwischen 2020 und 2023 enthusiastisch in den Dienst der Erneuerung und Stärkung des Filmmuseums. Er bestärkte mich als Direktor und Geschäftsführer darin, groß zu denken und mit aller Kraft und Leidenschaft für Exzellenz und Qualität einzustehen, während wir uns mit Verve in die für uns neue Welt der Digitalisierung wagten und unsere kuratorischen Aktivitäten diversifizierten.
Vor allem aber setzte er sich, der selbst entscheidend an der Planung und Umsetzung des Erste Campus am Belvedere beteiligt gewesen war, mit ganzer Kraft für das Filmmuseum LAB ein, das ein zeitgemäßes Zentrum für die Bewahrung und Erschließung von Film werden sollte. Als im Frühjahr 2022 die politische Entscheidung dafür fiel, feierte Boris dies im Vorstand wie auch öffentlich als Meilenstein, nicht nur für uns, sondern fürs Allgemeinwohl: "Jeder Meter Kultur ist ein Meter neue Freiheit!" sagte er.
Boris' Ausscheiden aus unserem Vorstand war unter anderem seiner Sorge um die eigenen Ressourcen geschuldet und dem Wunsch, sich auf seine Gesundheit, auf die Arbeit der ERSTE Stiftung (vor allem für ein geeintes Europa) und nicht zuletzt auf seine Familie zu konzentrieren. Dem Haus blieb er dennoch eng verbunden: Erst in diesem Frühjahr sprachen wir über die Herausforderungen der kommenden Jahre. Mit Boris nicht mehr auf Erreichtes anstoßen und Etappensiege auf dem Weg zu einer besseren Welt feiern zu können, ihn nicht mehr um Rat fragen und seine kluge Einschätzung zu fast allen Themen hören zu dürfen: Das ist unfassbar traurig. Nicht nur wir, seine Kolleg*innen, Freund*innen und seine Familie verlieren einen ganz großartigen Menschen, sondern auch das ganze Land, Europa, die Welt. Wir werden dich vermissen, lieber Boris.
Michael Loebenstein
im Namen des Teams des Filmmuseums
und
Barbara Fränzen
im Namen des Vorstandes und der Vollversammlung des Filmmuseums
Boris wurde im Jahr der Gründung des Filmmuseum geboren. Sein Weg führte ihn zunächst in die Kulturpolitik: als Mitarbeiter im Stab u. a. von Erhard Busek und Elisabeth Gehrer und als Kabinettschef des Wiener Kulturstadtrats Peter Marboe. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Umsetzung des von Simon Wiesenthal initiierten und von Rachel Whiteread gestalteten Mahnmals für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah am Judenplatz beteiligt. Das Mahnmal wurde 2000 eröffnet und ist seit 2019 jährlich Schauplatz der ebenfalls von ihm erdachten "Rede an Europa".
Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik schlug sein Herz weiterhin mit Leidenschaft für Kunst, Kultur und Zivilgesellschaft. 2001 wechselte er zur Erste Bank. Dort und in der 2003 gegründeten ERSTE Stiftung, die er wesentlich aufbaute und später als Geschäftsführer leitete, prägte er über zwei Jahrzehnte zahlreiche kulturelle Initiativen in Österreich sowie in Zentral- und Osteuropa, darunter die Sammlung Kontakt. Als Leiter des Erste HUB trieb er ab 2012 die digitale Erneuerung der Erste Group voran, einschließlich des Online-Bankings George.
Boris war dennoch niemand, der sich mit seinen außergewöhnlichen Verdiensten und seiner unbändigen Kreativität schmückte. Dem Filmmuseum war er fast ein Vierteljahrhundert lang verbunden. Ab der konstituierenden Sitzung des erneuerten Vorstands am 10. Dezember 2001 gehörte er diesem Gremium an, viele Jahre als stellvertretender Obmann. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand blieb er bis zu seinem Tod Mitglied der Vollversammlung.
Mit Boris konnte man Berge versetzen und vor allem Neues schaffen: Als Obmann des Vereins stellte er sich zwischen 2020 und 2023 enthusiastisch in den Dienst der Erneuerung und Stärkung des Filmmuseums. Er bestärkte mich als Direktor und Geschäftsführer darin, groß zu denken und mit aller Kraft und Leidenschaft für Exzellenz und Qualität einzustehen, während wir uns mit Verve in die für uns neue Welt der Digitalisierung wagten und unsere kuratorischen Aktivitäten diversifizierten.
Vor allem aber setzte er sich, der selbst entscheidend an der Planung und Umsetzung des Erste Campus am Belvedere beteiligt gewesen war, mit ganzer Kraft für das Filmmuseum LAB ein, das ein zeitgemäßes Zentrum für die Bewahrung und Erschließung von Film werden sollte. Als im Frühjahr 2022 die politische Entscheidung dafür fiel, feierte Boris dies im Vorstand wie auch öffentlich als Meilenstein, nicht nur für uns, sondern fürs Allgemeinwohl: "Jeder Meter Kultur ist ein Meter neue Freiheit!" sagte er.
Boris' Ausscheiden aus unserem Vorstand war unter anderem seiner Sorge um die eigenen Ressourcen geschuldet und dem Wunsch, sich auf seine Gesundheit, auf die Arbeit der ERSTE Stiftung (vor allem für ein geeintes Europa) und nicht zuletzt auf seine Familie zu konzentrieren. Dem Haus blieb er dennoch eng verbunden: Erst in diesem Frühjahr sprachen wir über die Herausforderungen der kommenden Jahre. Mit Boris nicht mehr auf Erreichtes anstoßen und Etappensiege auf dem Weg zu einer besseren Welt feiern zu können, ihn nicht mehr um Rat fragen und seine kluge Einschätzung zu fast allen Themen hören zu dürfen: Das ist unfassbar traurig. Nicht nur wir, seine Kolleg*innen, Freund*innen und seine Familie verlieren einen ganz großartigen Menschen, sondern auch das ganze Land, Europa, die Welt. Wir werden dich vermissen, lieber Boris.
Michael Loebenstein
im Namen des Teams des Filmmuseums
und
Barbara Fränzen
im Namen des Vorstandes und der Vollversammlung des Filmmuseums