Toute une nuit (Eine ganze Nacht), 1982, Chantal Akerman
Le 15/8, 1973, Chantal Akerman, Samy Szlingerbaum (Foto: Arsenal – Institut für Film und Videokunst)
Je tu il elle (Ich du er sie), 1974, Chantal Akerman
Symphonie (Soliloque), 1979, Boris Lehman (Foto: Arsenal – Institut für Film und Videokunst)

Films You Cannot See Elsewhere:

Amos-Vogel-Atlas Kapitel 12:
Chantal Akerman und Samy Szlingerbaum

6. bis 11. Jänner 2023

Die vielseitige Künstlerin Chantal Akerman (1950–2015) ist die berühmteste belgischstämmige Filmemacherin: Das Filmmuseum widmete ihr 2011 eine große Retrospektive und nach ihrem Freitod einen Tribut in memoriam. Kaum bekannt hingegen ist das schmale Werk eines früh verstorbenen Weggefährten: Samy Szlingerbaum (1950–1986), mit dem Akerman den mittellangen Film Le 15/8 (1973) über eine Finnin in ihrem Pariser Apartment machte.
 
Frauenporträts standen auch im Zentrum von Akermans ersten feministischen Spielfilmen, an zweien davon war ihr Freund "Sami" beteiligt: Beim Erstling Je tu il elle (1974) war Szlingerbaum Tonmann, im Werkphasen-Endpunkt Toute une nuit (1982) taucht er vor der Kamera auf. Kurz davor hatte er seinen einzigen Langfilm realisiert. Bruxelles-transit (1980) inszeniert zwischen poetischer und faktischer Erinnerung eine Bilderwelt zur jiddischen Erzählung seiner Mutter und zeigt, wie diese als polnische Jüdin 1947 mit ihrem Mann im Brüsseler Exil eine Existenz aufzubauen versuchte. Nicht nur durch die jüdische Geschichte und den formalen Grenzgang ist der Film auf faszinierende Weise Akermans Arbeiten anverwandt: eine Art nächtliche Brüsseler Odyssee wie Toute une nuit, eine Studie des (Über-)Lebens auf engem Raum, wie es Akermans Protagonistinnen auf andere Art erfahren.
 
Ähnliches gilt für die verblüffende Holocaust-Aufarbeitung Symphonie (Soliloque, 1979) von einer dritten belgischen Kinogröße, Boris Lehman (Kamera: Szlingerbaum), die auf der Berlinale neben Bruxelles-transit vorgestellt wurde – eine nachhaltige Erfahrung für den emigrierten Juden Amos Vogel. Im Zusammenspiel der fünf Filme zeigen sich erstaunliche Parallelen und abgründige Kontraste: Kino-Therapie. (Christoph Huber)
 
Der gebürtige Wiener Jude Amos Vogel (1921–2012) wurde nach der Emigration in die USA eine der wichtigsten Figuren der internationalen Filmkultur. Die Reihe Amos-Vogel-Atlas widmet sich der Weiterführung seines widerständigen Erbes parallel zur Beforschung seines Nachlasses im Filmmuseum mit Schwerpunkt auf Raritäten aus der Sammlung.
Zusätzliche Materialien

Bruxelles-transit

(1980, 80 min)

Le 15/8

(1973, 43 min)

Symphonie (Soliloque)

(1979, 34 min)
Innerhalb der Schau sind die Filme in der Reihenfolge ihrer Programmierung angeordnet.
Filmdauer: 85 min
Fr, 06.01.2023 18:00
Einführung Christoph Huber
Filmdauer: 77 min
Fr, 06.01.2023 20:30
Einführung Christoph Huber
Mi, 11.01.2023 18:00
Filmdauer: 80 min
Sa, 07.01.2023 18:00
Einführung Christoph Huber
Mi, 11.01.2023 20:30
Filmdauer: 90 min
Sa, 07.01.2023 20:30
Einführung Christoph Huber