Russkiy kovcheg (Russian Ark), 2002, Aleksandr Sokurov

Russkiy kovcheg (Russian Ark)

Regie: Aleksandr Sokurov; Drehbuch: Aleksandr Sokurov, Anatoli Nikiforov; Kamera: Tilman Büttner; Schnitt: Stefan Ciupek, Sergey Ivanov, Betina Kuntzsch; Musik: Sergei Yevtushenko; Darsteller: Sergey Dreyden, Mariya Kuznetsova, Leonid Mozgovoy. RU/DE/CAN/FIN, 2002, 35mm, Farbe, 99 min. Russisch mit dt. und frz. UT
 
Reise durch die St. Petersburger Eremitage – und drei Jahrhunderte russischer Geschichte – in einer ungeschnittenen HD-Einstellung, aus dem subjektiven Blickwinkel eines unbekannten Erzählers (mit Regisseur Aleksandr Sokurovs Stimme), begleitet von einem sarkastischen europäischen Adeligen. Mit jedem Raum des Winterpalasts wird eine andere Epoche betreten, werden historische und erfundene Figuren beobachtet und belauscht – bis zum gigantischen Spektakel des letzten Zaren-Balls. Die technische Innovation des Films (und die quasi-sportliche Leistung von Kameramann Tilman Büttner, der sich ohne Atempause spontan durch Choreografien mit hunderten Statisten bewegte) stand beim Erscheinen im Vordergrund, aber bei Russian Ark ist sie nur Mittel zum künstlerischen Zweck: Hinter der rauschhaften Sogwirkung der durchgehenden Bewegung offenbart sich eine teils schwermütige, teils ironische Meditation über Russlands Erbe, das Verhältnis zu Resteuropa – und vor allem über das Wesen der Zeit. (C.H.)